Genuary Tipp 18/31 2022

Press Club mit Natalie Foster aus Melbourne, Australien

An der Genuary Liste 2021 knapp vorbeigeschlittert, ist dieses mal ein Platz für die Band um Natalie Foster fest eingeplant.

Aus der Vorgängerband Tully On Tully entstanden, schrieb das Quartett im Haus des Bassisten zum Einstieg damals über 50 Songs in gefühltem Zeitraffer. „Wir kamen in einem Raum zusammen, jammten und überlegten, was dabei herauskommen sollte“, erklärt Foster in einem Interview. „Es stellte sich heraus, dass es Punkmusik war.“ Ja, manchmal findet die Musik dich und nicht andersherum.

Aus dieser Art der Kambrischen Explosion entstanden mittelfristig zwei LPs: Das Debüt Late Teens (2018) mit meinem persönlichen Lieblingssong Suburbia (s.u.) und Wasted Energy (2019). Beide Alben bestechen durch kurzweilige, schnelle Songs, die mich an Gute-Laune-Combos wie Blink182, in ihrer Melodiösität aber auch an die Japandroids erinnern. Diese Nummer hier ist exemplarisch:

In den letzen Jahren ist es etwas ruhiger geworden um die Australier. 2020 erschien auf einer limitierten B-Seiten- und Raritäten-Compilation des Visions Magazins lediglich ein einziger neuer Song: Insecurities. Wir dürfen gespannt sein, wann sich Foster und Co. mit neuem Material zurückmelden und dann vielleicht auch wieder nach Deutschland kommen. In Australien sind sie gerade wieder auf Tour. Denn ihre Musik lädt sehr dazu ein, live gespielt und vor allem gehört zu werden.

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Genuary Tipp 17/31 2022

Alexis Krauss von Sleigh Bells

Als Freund von Crossover im einfachen Sinne des Vereinens vieler Stile zu einem eigenen Style komme ich nicht umhin euch Sleigh Bells vorzustellen oder besser gesagt wieder ins Gedächtnis zu rufen, denn Das Duo ist schon lange im Geschäft, hatte zuletzt aber mit sinkender Popularität zu kämpfen. Das im September 2021 gestartete Album platzierte sich zumindest nicht wie die Vorgänger in irgendwelchen Charts. Unter Umständen sieht man hier dann direkt die Kehrseite des Stilmixes, das Konzept nutzt sich eventuell doch zu schnell ab. Dabei ist das hier völlig unverdient. Der Sound der auf dem neuen Album kreiert wurde ist immer noch sehr fett, Alexis Krauss trägt mit gewohnter Kraft den Gesang vor, so dass ich mir selbst das absinkende Interesse an ihren Songs gar nicht so recht erklären kann.

Was mich auf allen Alben an der Frontfrau beeindruckt ist die Wandelbarkeit ihrer Authentizität. Ihre Stimme bleibt überwiegend in der gleichen Tonlage, dennoch kann sie sowohl die etwas poppigeren wie auch die Elektrotracks oder die eher rockigen bis punkigen so energisch ausfüllen, dass es nie aufgesetzt oder nach einer Kompromisslösung klingt. Ich persönlich mag dabei die etwas rockigeren Stücke etwas lieber und damit wird man auf dem neuen Album durchaus gut bedient. Justine Go Genesis ist ein gutes Beispiel.

Ja, ich muss zugeben, dass ihr 2012 erschienenes Album Reign of Terror auch bei mir nach wie vor am meisten läuft. Für die Klänge des neuen Albums ist mein Ohr noch nicht so gut trainiert, aber im Zuge einer Weiterentwicklung finde ich absolut nachvollziehbar, dass sie aktuell moderne Elemente des Elektropops wie klassische 80er Retro Synths und Drums mit integrieren. Dennoch, meine erste Wahrnehmung des Projektes war vor einigen Jahren der recht populäre Song Demons. Als wir Ende 2020 beschlossen den Gender-January ins Leben zu rufen, war Alexis Krauss eine der ersten Persönlichkeiten, an die ich denken musste und dann habe ich sie bei der Planung schlicht vergessen. Dieses Jahr ist es endlich soweit. Ich muss sagen, dass ich die Band nach Reign of Terror eigentlich auf mehr Festivals in Deutschland erwartet hätte, aber leider habe ich sie bisher nie Live gesehen. Das bedauere ich sehr und würde das gerne nochmal nachholen. Ihr Stil ist Live sicher nicht einfach zu spielen und so finde ich umso besser, dass sich Alexis Krauss und ihr Partner Derek Miller live Unterstützung durch weitere Musiker und Backgroundsängerinnen holen. Das rundet die Performance, der die US-Amerikanerin immer ihren Stempel durch extrovertierte Power aufdrückt noch ab und klingt zudem äußerst gut einstudiert. Darum hier zum Abschluss noch das Video zu Demons und eine recht frische Live-Studio-Performance inklusive Interview zum neuen Album. Viel Spaß dabei, ich hoffe, ich konnte dieses Duo wieder ein paar von euch ins Gedächtnis rufen oder das Interesse wecken, wenn ihr diese doch noch nicht kanntet.

Genuary Tipp 16/31 2022

Beth Hart aus Los Angeles, USA

Was braucht es, damit mir ein Musiker, eine Musikerin oder eine Band, erst einmal unabhängig vom Genre und vom eigenen Geschmack, gefällt? Heruntergebrochen auf die wichtigen Eigenschaften sind es Können, Authentizität und Leidenschaft. Beth Hart vereint all das in spielerischer Leichtigkeit. Was will man auch erwarten von einer Frau, die in dem Musical Love, Janis die Hauptrolle – also die legendäre Janis Joplin – verkörperte?

Seit Anfang der 90er aktiv, beweist sie auf ihrem aktuellen Album War in my mind (2019) einmal mehr ihr Talent als Geschichten erzählende Komponistin für starke Melodien und Emotionen. Dazu ihr Timbre mit dem unwiderstehlichen Vibrato:

Anastacia-Vibes?

Doch auch neben der Single War in my mind ist das Album eine unterhaltsame und vor allem kurzweilige Reise durch die melancholisch bluesigen Musikgefilde. Gleich der Opener Bad Woman Blues und später Sister Dear seien besonders hervorgehoben.

Wem das neue Album allerdings zu ruhig ist, muss Beth Hart nicht gleich den Rücken kehren. Ältere Werke könnten gefallen. Vielleicht das deutlich rockigere Album Immortal (1996). Besonders im Song Am I the one könnte man an eine Janis Reinkarnation denken. Ein bisschen scheint dieses Album auch für Anouks Debüt Together Alone (1997) Modell gestanden zu haben (Stichwort Nobody’s Wife). Hier der Titeltrack live perfomt – ich komme zurück auf die eingangs erwähnten Eigenschaften Authentizität und Leidenschaft (oder mit den Worten von Wayne Cowley: The difference between a musician and someone that can play music, is passion and emotion):

Ausflippen kann Beth auch, Rock n fucking Roll!

Instagram: Beth Hart

Genuary Tipp 15/31 2022

Marie Ulven Ringheim aka Girl In Red

In einer früheren Ausgabe unserer Tipps aus dem Pitt (hier nachzuhören) stellte ich einmal den Musik-Podcast Song Exploder vor. Über diesen Podcast bin ich auch auf das Projekt Girl In Red gestoßen. In der Folge 208 des Podcasts berichtet Marie Ulven Ringheim eindrücklich von dem Entstehungsprozess ihres Songs Serotonin. Damit war meine Neugier geweckt und ich hatte eine Künstlerin entdeckt, die mir bis dahin leider verborgen blieb, obwohl sie längst kein unbeschriebenes Blatt mehr in der Indie-Pop-Szene ist, was sich auch an den repräsentativen Zahlen (Platzierungen, Nominierungen, Klickzahlen) ablesen lässt. Für mich persönlich ist die Norwegerin aber eine Entdeckung aus 2021 und vielleicht ist sie ja auch für die eine oder den anderen von euch noch neu – wenn ja, dann hört euch unbedingt durch ihr Werk.

Der besagte Song stammt von ihrem Album If I Could Make It Go Quiet (2021 bei AWAL erschienen) und ist durchaus repräsentativ, wenngleich es etwas poppiger startet. Das Lied entwickelt im weiteren Verlauf aber eine typische Dynamik und das schätze ich überaus an der ganzen Platte, denn das ganze Album hat zwar einen eher ruhigen Grundton, aber der Text und entsprechend der Gesang ist bei Girl In Red nicht bloß belangloses Beiwerk, sondern ein Wegweiser durch den letztlich ernsten und vor allem bis ins Letzte Detail durchdachten Sound. Ich glaube genau das hat mich am meisten fasziniert, dass die Künstlerin hier tiefgehende Klangwelten schafft, die einen gerade beim Hören mit Kopfhörern wirklich beschäftigen. Es sind zwar grundsätzlich total gängige Indie-Pop Song-Konstrukte, allerdings mit vielen Samples, Klängen, Instrumenten im Wechselspiel zur Gesangsstimme (mal mit mal ohne Effekte), die offenbaren, dass hier eine absolute Perfektionisten am Werk ist. Ein bisschen ist das Album wie ein musikalisches Wimmelbild, und ähnliche wie auf Wimmelbildern gibt es auch auf den Girl In Red Platten immer wieder neue Dinge zu entdecken. Und wenn dann noch ein offizielles Video dazu abgedreht wurde, hat man einen kleinen oft emotionalen, wunderbar getimten Kurzfilm, wie das Video zu dem Song Rue eindrucksvoll zeigt. I hate the way my brain is wired, can’t trust my mind it’s such a liar…

https://www.instagram.com/girlinred/

https://www.instagram.com/songexploder/

Genuary Tipp 14/31 2022

Jen Majura, *Stuttgart

Als Gitarristin ist mir Jen Majura damals als Teil der Black Thunder Ladies – einer AC/DC Coverband – über den Weg gelaufen. Seither war die 38-Jährige sehr umtriebig: Zwei Soloalben (2015 und 2017), auf denen sie auch als Sängerin in Erscheinung tritt (hier als Drama Queen – ein Song vom kompromisslosen zweiten Album InZENity)…

seit 2015 fester Bestandteil von Evanescence (hier ein Song vom aktuellen Album The bitter truth, auf dem sie gemeinsam mit Amy Lee singt), musiziert mit Bands wie Knorkator oder Equilibrium und aktuell Mitglied des von ihr und Alen Brentini (Gitarrist, Songwriter und Produzent aus Kroatien) gegründeten Duos Something on 11. Das gleichnamige Debütalbum erschien Ende 2020 und klingt etwa so:

Bei Jen Majura gibt es musikalisch voll auf die Zwölf – oder eben elf. Man hört ihrem Songwriting stets an, dass sie in Kindertagen auch viele andere Instrumente ausprobiert hat. Rund, stimmig, keine weiteren Fragen offen lassend.

Um auch anderen Menschen, vor allem natürlich Kindern, die Magie der Musik näher zu bringen, betreibt Tausendsassa Majura eine Musikschule im sauerländischen Brilon. Hut ab vor so viel Kreativität und Tatendrang.

Mehr über Jen Majura: Website und Instagram