#36 Busking – die Welt der Straßenmusik

In unserem heutigen Hauptthema sprechen wir über Straßenmusikerinnen und -musiker. Hatten die Asphalt-Troubadoure und Freiluft-Barden früher bloß ein überschaubares Publikum in den Innenstädten und Fußgängerzonen dieser Welt, gibt es heute dank des Internets und Plattformen wie YouTube eine gigantische Reichweite für eben solche, die sich von der Masse abheben. Wie stehen wir zur Straßenmusik? Nervig oder wertvolles Gut unserer Gesellschaft? Welche Hürden gibt es speziell in Deutschland für die Busking Szene zu überwinden und welche Entwicklung nimmt die Branche? Beschließen werden wir die Folge wie immer mit einem kurzweiligen Spiel angelehnt an das heutige Thema. Neugierig? Dann ab dafür!

Teil 2 – Das Festival

Und damit wären wir dann auch beim zweiten Teil meines Berichts, in dem das Deichbrand-Festival einmal gegen den Strich gebürstet wird: Mir fällt es in diesem Jahr noch etwas schwer, Kritik anzubringen, da die Situation rund um Corona plus die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen aus dem bitteren Cocktail der Pandemie und des immer noch miesen Krieges russischer Machthaber gegen die Ukraine sicherlich das Feiern im Allgemein weiter betäuben, vor allem aber Rahmenbedingungen bieten, die mir zuerst mal ein ehrliches Hutziehen und tiefe Dankbarkeit abverlangen vor allen Menschen, die sich trotzdem trauen ein kulturelles Programm auf die Bühne zu bringen. Das geht nicht nur an die Brandstifter vom Deich, sondern an alle Veranstalter, Booker, Schauspieler, Wirte usw., die letztlich für Leute wie uns trotz großer Ungewissheit einfach immer weiter dranbleiben und durchziehen. Merci!

Und wenn ich gerade dabei bin zu loben, dann liebes Deichbrand habe ich auch im Jahr 2022 etwas zu loben, das für andere Besucher teilweise ein richtiger Dorn im Auge scheint. Euer Line Up bietet eine Genre-Vielfalt, die seines gleichen sucht. Wie ich im ersten Teil bereits erwähnte, habe ich nicht alles gesehen und fand auch nicht alles gut – der Auftritt von Apache 207 lässt mich nach wie vor verwirrt zurück. Dennoch war klar wahrzunehmen, dass ihr auch damit einen Nerv trefft und diese Buchungen sicher auch den Altersdurchschnitt auf eurem Festival senken. Die Bühnen waren bei besagten Auftritten stets rappelvoll und aus dem Grund werden wir hier im Wellenbrecherbereich sicher nicht einfach in das klassisch billige Auto-Tune-Bashing verfallen. Ich habe gesehen, dass viele Leute Bock auf diese Künstler und Künstlerinnen haben und wenn mir das nicht gefällt, dann esse ich halt ein Handbrot und freue mich auf oder über den Auftritt Afrobs oder einer anderen Band.

Gleiches gilt für eure Electronic Island. Optisch übrigens ein absoluter Kracher und musikalisch durchaus hochkarätig besetzt mit DJs, die durchgängig die Party am Laufen hielten. Nicht wenige Besucher haben sich eigens für diese Stage das Festivalticket gekauft. Ich persönlich mag dieses Konzept und bin genau aus diesem Grund auch sehr gerne beim Deichbrand, wenngleich auch ich mir in diesem Jahr noch den einen oder anderen Act aus dem Bereich Rock, Punk oder Alternative mehr gewünscht hätte.

Die explodierenden Preise auf eurem Festivalgelände haben wir ebenfalls versucht, so objektiv wie möglich zu bewerten. Aktuell steigen überall die Preise, so natürlich auch auf den Festivals. Aber leider geht diese Argumentation für mich auch nur zum Teil auf, denn da alles teurer wird, die Löhne aber lange nicht in dem gleichen Verhältnis ansteigen, beißt sich hier die Katze in den Schwanz: Ihr müsst mehr Geld verlangen, weil alles teurer wird – ich kann mir weniger bei euch kaufen, weil alles teurer geworden ist. Die Frage also, ob sich Preiserhöhungen in diesem Ausmaß wirklich lohnen, würde mich tatsächlich sehr interessieren. Für alle Menschen, die ohnehin sehr auf ihre Ausgaben achten müssen, war dieses Jahr sicher eine große Herausforderung. Die meisten aus unserer Gruppe arbeiten in Vollzeit und konnten sich so über die Tage noch etwas auf dem Gelände „gönnen“, aber auch das wesentlich reservierter und bedachter als in den Vorjahren. Wir waren uns allerdings auch einig, dass es dann zumindest in Qualität und Quantität stimmen muss und das war leider nicht überall festzustellen. Als kleiner Eindruck für alle, die nicht vor Ort waren ein Bier 0,5l kostete 6 Euro, Wodka Red Bull 0,3l z.B. 9,50, eine Currywurst mit Pommes 10,-, Bratnudeln 9,50 usw.

Es gab ausreichend Getränkestände und somit auch nur zu Stoßzeiten mal längere Schlangen, allerdings habe ich in diesem Jahr sehr wenig leckeres Fassbier bekommen. Natürlich gibt es zwischen einem Besuch in einem bayrischen Biergarten und einem Fassbier aus dem Plastikbecher auf einem Musikfestival immer einen Unterschied, dieses Jahr war das Bier aber sehr häufig richtig flaps und das fällt bei dem Preis auch mächtig auf.

Leider ist uns auch sehr negativ aufgefallen, dass es an einigen Ständen Methode hatte, sich zu verrechnen. Irgendwie verständlich, weil bei den Gästen auch die Bereitschaft Trinkgeld zu geben litt, aber sicher nicht der richtige Weg, dieses so auszugleichen.

Über die Vielfalt im Essensangebot freue ich mich immer sehr, da so für jeden Geschmack etwas Richtiges angeboten wird und die Zeiten, in denen es neben den Brezeln nur noch Pizzaklumpatsch oder Pommes gab vorbei sind. Aber auch hier gab es in der Qualität an einigen Stellen klare Abstriche. Es tut einfach weh einen Zehner in sehr mittelmäßige Imbissideen zu stecken, da hilft es auch nichts, wenn man den Gerichten tolle Namen verpasst. Das gilt nicht für alle Angebote, insbesondere einige Foodtrucks haben leckere, frische Snacks serviert, ingesamt aber mehr so „meh“.

Auch immer wieder Thema ist die Toilettensituation auf dem Gelände. Insgesamt war das noch in Ordnung und die Putzcrew hat alles gegeben. Moderne Konzepte mit mehr Urinalen für Männer und Frauen, Peefences etc. bieten hier aber noch viele Möglichkeiten der Verbesserung.

Die größtenteils ehrenamtlich tätigen Hilfs- und Sanitätsdienste waren sehr präsent. Ohne diesen bemerkenswerten Einsatz sind solche Feste nur schwer umsetzbar.

Ansonsten gab es noch allerlei Werbegedöns von einigen Märkten, Telefonanbietern, Radiosendern oder Getränkeherstellern. Das brauche ich persönlich nicht, kann es aber im Rahmen der notwendigen Sponsor-Partnerschaften akzeptieren und weitgehend ignorieren.

In Bezug auf das Gelände und die Festival-Organisation möchte ich mit einem Lob abschließen: Ich liebe es nach wie vor, dass ihr beim Deichbrand die beiden Hauptbühnen immer nacheinander bespielt und sich die Überschneidungen lediglich auf Auftritte im Palastzelt (oder ggf, der Electronic Island) beschränken. Bitte behaltet das möglichst bei!

Als letzten Teil möchte ich nochmal einen Blick auf das Campinggelände werfen. Gelobt habe ich ja bereits die Genre-Vielfalt, die es allerdings dann auch mit sich bringt, dass man auf dem Campingplatz häufig Musik hören muss, die einem nicht gefällt. Als mein persönliches Problem resümiere ich dann auch etwas, das andere Besucher gar nicht stört bzw. für sie überhaupt den Reiz großer Festivals ausmacht: Unter dem psychosozialen Druck des Saufdiktats werden über vier Tage nur stumpfer Schlagertechno und sogenannte Party- bzw. Sauflieder aus den Boxen geballert. Nicht selten sexistisch, aber klar – ironisch. Wir haben uns da in der oben bereits verlinkten Podcastfolge schon zu ausgetauscht. Es gibt tatsächlich Leute, die nur wegen der Campingplatz-Action zu einem Festival gehen. Ich finde, dass es die Mischung macht. So wundert es mich allerdings nicht, dass je größer ein Festival wird, das Angebot an sogenannten „Green-Campings“ zunimmt. Sehr ähnlich habe ich diese Entwicklung auch schon vor Jahren beim Hurricane und bei Rock am Ring ohnehin festgestellt.

In puncto Antidiskriminierung, Miteinander oder auch Umweltbewusstsein finden sich beim Deichbrand jedoch von vornherein schon erschreckend wenige Bekenntnisse auf der Homepage oder bei den Infos zu Campingplatz und Sicherheit. Immerhin das „Panama-Konzept“ wurde wieder umgesetzt. Hier sehe ich sehr starken Nachholbedarf, zumindest sofern es das Deichbrand-Team wünscht, dass ihr Festival eine Party für alle ist, auf der keiner Angst haben muss, aus irgendwelchen Gründen ausgegrenzt oder diskriminiert zu werden.

Ich bin gespannt, wie es in den nächsten Jahren weitergeht und bin jetzt schon neugierig auf das neue Line-Up für 2023.

Wer selber einmal am Deichbrand teilnehmen möchte, der Ticketverkauf für 2023 hat bereits begonnen: LINK

Deichbrand Rückblick

von Felix

Einen Festival-Bericht zu schreiben, ist gar nicht so einfach, da es bei einem viertägigen Programm natürlich sehr viele Konzerte gibt, von denen man detailliert berichten könnte und dazu noch viele Ereignisse rund um den Campingplatz passieren, die nicht weniger berichtenswert sind. Daher werde ich mich von vornherein etwas einschränken. Ich werde nicht im Detail auf die gesehenen Konzerte eingehen, sondern werde versuchen, einen allgemeinen Überblick zu geben, über das, was ich an Bands gesehen habe und ggf. empfehlen kann und das, was mir in Anknüpfung an unsere Festival-Folge (Hier!) auf dem diesjährigen Deichbrand als Festival im Allgemeinen auffiel. Ich teile den Bericht somit auf zwei Teile auf. Im ersten Teil geht es um die Musik, im zweiten um das Deichbrand im Allgemeinen.

Vom 21. bis 24.07. fand in diesem Jahr das Deichbrand-Festival in der Nähe der Wurster Nordseeküste statt. Das Festival zählt mit seinen 60Tausend Besuchern schon seit einigen Jahren zu den größeren und etablierten Festivals. Es ist sehr erfreulich, dass sich die Veranstalter bisher über die Zeit der Pandemie gerettet haben und entsprechend groß war die Vorfreude.

In unserer Deichbrand-Gruppe bedeutete dies, dass nach zwei Jahren Deichbrand at home endlich wieder richtig gecampt und gerockt werden konnte. Man muss dazu sagen, dass wir uns 2017 zusammengeschlossen haben, um noch einmal gemeinsam zu einem Festival zu fahren und es danach aus „Altergründen“ endgültig einzustellen. Daraus hat sich allerdings recht schnell das Gegenteil entwickelt und über eine Festival-Rente wird eigentlich seit dem ersten Festivaltag 2017 gar nicht mehr gesprochen. Danke dafür liebes Deichbrand.

Das Line-Up für 2022 hat mir vorab ein wenig Sorgen bereitet, da ich auf den ersten Blick gar nicht so viele Bands fand, die ich unbedingt live sehen möchte, bzw. viele der bands bereits mehrfach live gesehen habe. Da mir aber auch gar nicht mal wenige Bands bisher nur wenig bis gar nicht bekannt waren, habe ich mich vorher nochmal konsequent durch die Liste durchgehört und so noch ein paar Künstlerinnen und Künstler aufgespürt, die es auf meine erweiterte Besuchs-Liste geschafft haben. Darüber hinaus kam nach Veröffentlichung des Timetables noch dazu, dass einige Acts auf meiner Liste zeitlich recht ungünstig angesetzt waren. Das ist aber eher ein persönliches Problem. Ich hasse z.B. den Festivalsonntag. Ich weiß nicht warum, aber ich will am Sonntag einfach nur noch nach Hause, insbesondere seitdem es normal geworden ist, bereits am Donnerstag mit dem Programm zu starten, was ich wiederum ziemlich gut finde. So sehe ich aber von Donnerstag bis Samstag viele Bands, sammle viele Eindrücke und bin dann in der Regel Sonntags so zufrieden, dass ich gar nicht mehr das Bedürfnis habe, mir weitere Acts anzusehen und mich außerdem auf die Familie zu Hause freue, die man dann ja auch für einen recht langen Zeitraum gar nicht gesehen und nur sehr wenig gesprochen hat. Also, Sonntags hab ich zu, so dass die Liste an verpassten Bands sich auch in der Hauptsache auf den Sonntag beziehen, plus den einen oder anderen Act, den ich verpasst habe, weil dieser zu früh oder zu spät für mich startete, oder weil man feststellte, dass das eine Knäckebrot im Zelt bereits 10 Stunden zurück liegt und man doch noch etwas Richtiges essen sollte und dadurch eine Band verpasst oder nur aus der Ferne wahrnimmt. Großstadtgeflüster, Danko Jones, Enter Shikari, Dropkick Murphys, sind sehr prominente Beispiele auf dieser Liste aber z.B. auch Muff Potter, Massendefekt, Zugezogen Maskulin, Querbeat, Raum27 oder Imminence habe ich aus unterschiedlichsten Gründen nicht besucht.

Was habe ich denn dann überhaupt gesehen? Ich möchte das wie gesagt ohne große Kommentierung der einzelnen Auftritte versuchen einmal in ein paar Kategorien meiner Fantasie zusammenzufassen.

Teil 1 – Konzerte

Da wäre als Erstes und ganz ehrlich mein persönliches Highlight Der beste Festival-Opener 2022: Clowns – Punkrock aus Australien. Die ersten Takte habe ich verpasst, aber als ich am sogenannten Palastzelt ankam, liefen die drei Leute vor mir los, ich lief ihnen hinterher direkt in den Moshpit und Abfahrt. Die Band hat so viel Energie und Witz, dass ich wirklich jedem, der die Gelegenheit hat, empfehlen kann, ein Konzert dieser Truppe zu besuchen. Vor einigen Tagen habe ich erfreut zur Kenntnis genommen, dass die Bassistin Hanny J Tee jetzt auch Teil der sehr lobenswerten Bassists against Racists Kampagne ist.

Ebenfalls im Palastzelt gab es am Samstag den besten schlechtbesuchtesten Auftritt 2022: The Lytics – Hip Hop aus UK. Überschneidungen gibt es immer irgendwie bei Festivals, zum Glück entschied ich mich dieses Jahr, nach ein paar Takten der Mighty Oaks rüber in das Zelt zu gehen, um eine sehr straighte nach modernem Old-School klingende Formation zu sehen, die leider (quantitativ) nicht das Publikum hatte, welches sie verdient gehabt hätten, aber dieses (qualitativ) durchaus die Songs der Band würdigte und die Lytics auch nie den Anschein erweckten, als hätten sie kein Bock vor so wenig Leuten zu spielen, sie haben sehr sympathisch abgeliefert und sind ein neuer fester Bestandteil meiner Hip Hop Playlists.

Den besten mit Entspannungsbier im Liegen den Texten zuhören Auftritt 2022 lieferten: OK Kid – Kategorie weiß ich nicht – Pop-Post-Elektro-Hip-Hop, Alternativ-Pop oder so?! Im jeden Fall eine der vielleicht-mal-reingucken-Bands, die mich durch ihren Auftritt ein ganzes Stück näher an sich heranholen konnten. Ich war gelegentlich etwas an Sperling erinnert, wenngleich das, was bei Sperling rockt, dann bei OK Kid eher pumpt. Aber egal, beides geil und wie gesagt, ich habe gerne den Texten der Band zugehört und mich daran erfreut, dass es auch im populären Musikbereich noch Bands gibt, die nicht nur in der auf die Dauer belanglosen Ich-Perspektive fischen, sondern sich auch gesellschaftspolitischen Themen widmen.

Den besten Headliner-Auftritt 2022 lieferten dann doch: Kraftklub – Muss man nichts zu sagen, kennen alle, haben alle schon mal gesehen. Ich war mir erst gar nicht sicher, ob ich Kraftklub wirklich sehen möchte, da ich sie schon häufiger gesehen habe und ja nun auch nicht viel Neues an Material dazukam. Aber, ich fasse mich kurz, sie haben wieder abgeliefert. Solider Rock zwischen Tanzbar und Circle Pit. Es war auf jeden Fall eine richtige Entscheidung mir Kraftklub erneut anzusehen.

Bester Nostalgie-Auftritt 2022 – Puh ganz schwer, denn das Deichbrand bot für meine Generation gleich eine ganze Reihe alter Haudegen, von denen ich zum Teil nicht mal wusste, dass sie noch unterwegs sind. Für mich gab es da zwei Gewinner: Afrob und die H-Blockx, wobei Afrob ja noch äußerst aktiv ist und der Nostalgie-Faktor somit nur zum Teil zutrifft, aber bei dem Auftritt auch voll bedient wurde. Sehr spät am Abend hat Afrob gezeigt, warum er seit über zwanzig Jahren konsequent im Spiel ist. Der Freitag hat durch den Auftritt einen herrlichen Abschluss gefunden und Afrob bleibt im deutschen Hip Hop einer meiner absoluten Lieblingsrapper.

Die H-Blockx haben mich sehr positiv überrascht und da muss ich mich bei meiner Truppe bedanken, dass sie mich überzeugten, ihnen am Donnerstagabend dorthin zu folgen, denn ich hätte mir das vermutlich gar nicht angesehen, aus Angst mir die Erinnerungen an die Auftritte der Neunziger zu versauen. Aber auch die H-Blockxx haben wirklich überzeugt und die Masse im rappelvollen Zelt war noch sehr textsicher. Hut ab!

Hier zu sehen: https://www.instagram.com/p/CgTtD4wK8D2/

Beste Ein-Mann-Kapelle 2022: Passenger – Liedermacher mit Gitarre. Ich habe immer großen Respekt davor, dass sich einige Künstlerinnen und Künstler nur mit einer Gitarre und ihrer Stimme auf die Bühne trauen. In unserer nächsten Folge im Podcast tauschen wir uns darüber auch etwas intensiver aus. Gerade auf Festivalbühnen ist das ein Konzept, das sehr mutig ist. Passenger hat seine schön poppig-melodiösen Lieder gespielt und mich vor allem in den Ansagen zwischendurch mit seinem ironischem Humor überzeugt. Cooler Typ.

Bester mittelmäßig abgemischter Auftritt im Zelt 2022: Callejon – Metalcore zu später Stunde. Geile Idee und auch insgesamt ein guter Auftritt, allerdings war hier die Abmischung nicht optimal, oder ich stand sehr ungünstig zur Bühne. Sicher ist es eine große Herausforderung für eine Zeltbühne dieser Größe einen vernünftigen Sound hinzubekommen, aber der Hall überlagerte bei Callejons gewohntem Tempo einfach sehr viel, so dass Musik und Gesang doch etwas litten. Die Band hat vor ihrem Auftritt jedenfalls für einen meiner Lieblings awkward-moments des Wochenendes gesorgt, als sie sich in einem Moment vermutlich unbeobachtet fühlten und zum, vom Zelt-DJ aufgelegten Disco-Song von Christian Steifen in ihren Skelett-Suits warm tanzten, herrlich.

Beste Pop-Rock-Performance 2022: Deine Cousine – Pop-Rock aus dem Norden. Sehr eingängige Melodien, live etwas rockiger und vor allem gut im Sound. Der Auftritt der Sängerin Ina Bredehorn, die ihre wirklich guten Texte überzeugend und mitreißend abrockt, war voll Dynamik. Musik dieser Art darf gerne häufiger im Radio laufen.

Bester Frühsport 2022 Le Fly: Sehr fleißige Rap-Reggae-Ska-Dancehall Combo aus Hamburg, die mit ihrem Sound und ihrer positiven Stimmung einfach zum Mittanzen animiert. Nach ihrem Auftritt ist man bereit für den Rest des Tages, der Kreislauf wieder in Schwung und die Nachwirkungen des Vortages (fast) vergessen.

Beste Band, die nächstes Jahr sicher auf größerer Bühne spielt Auftritt: The Struts – Glamrock aus UK und eigentlich auch hinlänglich bekannt. Ich muss zugeben, dass ich mit mehr Andrang rechnete, aber alle die ihren Auftritt im Zelt gesehen haben, dürften ähnlich zufrieden gewesen sein. Etwas alte Rock-Schule in einem neuen Gewand, ein sehr starker Stimmungstransport, eine sehr starke und verdammt gut aufgelegte Live-Band.

Auch hier eine schöne Anekdote: Die Band verschenkte nach dem Auftritt die üblichen Utensilien (Plektrum, Drumsticks, Setlist etc.). Marco griff Millimeter am Plektrum des Gitarristen vorbei, um dann beim Herausgehen aus dem Zelt festzustellen, dass das ersehnte Relikt einfach mal direkt in dem Bierbecher landete, der in der Seitentasche der Cargo-Hose steckte. Glück muss man haben.

Bester Dauerbrenner-Auftritt 2022: Rogers – klassischer deutscher Punkrock und zumindest gefühlt jedes Jahr auf dem Deichbrand zugegen. Und jedes mal, wenn ich sie dort sehe, denke ich, dass ich sie gerne mal auf einer ihrer Clubshows sehen möchte, habe es bis jetzt aber noch nicht geschafft – wird sicher noch nachgeholt.

Bester Trink-schnell-aus-wir-müssen-rüber-Auftritt 2022: Anti-Flag – Punkrock-Veteranen aus den USA, die ebenfalls sehr früh am Nachmittag auf der Hauptbühne spielten, das aber sehr souverän und somit schon mal ordentlich Bewegung in den ersten Wellenbrecherbereich brachten. Anti-Flag sind auch so eine feste Größe auf diversen Festivals, die sich über die Jahre aufgrund ihrer durchaus beachtlichen Diskographie in meinen Augen auch etwas mehr Spielzeit verdient hätten. US Punk ist immer ein spezialgelagerter Sonderfall, aber meiner persönlichen Einschätzung nach sind Anti-Flag durchaus authentisch.

Bester Es muss nicht immer Pogo sein Auftritt 2022: Flogging Molly – Irish Folk Punk und stets allererste Live-Sahne. Diese Band bringt einfach soviel Spielfreude auf die Bühne, dass man kaum glauben kann, dass sie im Sommer an beinahe jedem Tag eine andere Festivalbühne bespielen. Sicher eine der fleißigsten Festivalbands diesen Sommer. Flogging Molly in diesem Jahr ein weiteres persönliches Highlight für mich persönlich. Aktuell ist dieser Auftritt neben einigen anderen noch hier als Re-Live des Streams nachzusehen: Hier klicken!

Bester Mag ich selber nicht so, guck ich mi aber trotzdem an Auftritt 2022: Maximo Park – Indie-Pop-Rock, den ich privat nicht so gerne höre, aber wenn Freunde gerne eine Band sehen wollen, die mir nicht so zusagt, nehme ich das gerne als Anlass, etwas über meinen Tellerrand zu gucken. Und ganz knapp zusammengefasst: Maximo Park ist weit mehr als nur Books and Boxes.

Bester Spontan-Auftritt 2022: Madsen – das tröstet sicher jeden Veranstalter, wenn eine Band (Milky Chance) kurzfristig absagen muss und du dafür aber noch kurzfristiger einen Ersatz organisiert bekommst. Für mich war Madsen auch gleichzeitig der Abschluss des Deichbrands 2022, da ich im Anschluss die Rückfahrt angetreten habe. Bei Sonnenuntergang wirkte ihr Konzert aber alles andere als schnell improvisiert – Hut ab und Danke für diese Schlussakkorde: Lass die Musik an!

Es bleiben ein paar Auftritte unerwähnt, die ich zwar (zumindest teilweise) gesehen habe, aber über die ich nicht weiter schreiben möchte, da es auch in der Regel Auftritte von Künstlern waren, die nicht meinem Musikgeschmack entsprechen (Bausa, Apache 207, Rin, Steve Aoki), die ich aus oben schon mal genannten Gründen nur am Rande verfolgt habe (z.B. Bosse, Die Orsons) oder die mich in dem Moment nicht so gepackt haben (z.B. Guano Apes, Drunken Masters). Das gilt im Übrigen auch für die Electronic Island in diesem Jahr. Diese war ebenfalls hochkarätig besetzt, stand aber bei mir in diesem Jahr nicht so hoch im Kurs. Im zweiten Teil möchte ich dann auf das gesamte Drumherum zurückblicken.

Für Musikmenschen wie mich, ist das Deichbrand also auch 2022 absolut einen Besuch wert gewesen.

#35 Snot – Get Some (1997)

Im Mai vor 25 Jahren rüttelte ein ganz besonderes Debütalbum die Musikwelt auf. Ein Album, das für viele, die es mit dem Rock halten, Kultstatus besitzt. Die kalifornische Combo um ihren viel zu früh verstorbenen, charismatischen Frontmann Lynn Strait verband auf homogene und kompromisslose Weise Elemente aus Punk, Funk, Metal und Rap.  Der Wellenbrecherbereich gratuliert artig zu dieser Leistung und natürlich zum Jubiläum. Mit ausgewählten Songschnipseln bewaffnet debattieren wir heute über die Vorzüge – und auch Schwächen – dieses Klassikers. Hört rein und… tell the people what you feel!

„Tipps aus’m Pit“ zum Nachbetrachten (aus #34)

Alex: NHC


In der ersten neuen Aufnahme seit Taylor Hawkins Tod hat Alex heute eine ganz besondere Supergroup dabei: Dave Navarro, Taylor Hawkins und Chris Chaney hatten sich im letzten Jahr zusammengeschlossen, um der Welt frische, unbekümmerte Rockmusik in die Ohren zu drücken. Dabei saß Taylor nicht nur hinter den Drums, sondern war auch der Leadsänger. Leider gibt es von dem Trio aus eingangs erwähntem tragischen Grund nur zwei Handvoll Songs. Die aber sind wirklich stark. Led Zeppelins Härte trifft auf den Swag der Beach Boys:

Marco: Scorpions – Rock Believer – 2022

Ja, Marco ist wahrlich kein Fan der Hannoveraner. Das wissen wir. Umso bewundernswerter, dass er dem neuen Album eine echte Chance gegeben und es rauf und runter gehört hat. Im Podcast spricht er von einem guten und vor allem modernen Rockalbum, das über weite Teile zu überzeugen weiß. Sogar Ausflüge in den Reggaebereich sind mit drin:

Doch restlos überzeugt wurde Marco schlussendlich nicht. Was bleibt ist das Klaus-Meine-Rockattitüden-Dilemma.

Felix: Afrob – Beats, Ryhmes & Mr. Scardanelli (Acoustic) – 2017


Auf diesem bemerkenswerten Album interpretiert Afrob 13 seiner Songs mit der auf Hip Hop spezialisierten Liveband “Tribe of Jizu“. Und als ob das nicht schon geil genug wäre, gibt es zudem Features mit Joy Denalane & Max Herre, Megaloh, Gentleman, Ferris MC und anderen. Am kommenden Freitag spielt Afrob in Lingen im Alten Schlachthof einen Termin seiner Nachholtour. Für Hip Hop Freunde auf jeden Fall eine Reise wert (Tickets hier)!

Gerrit: Punk Rock Factory – Masters of the Uniwurst – 2022


Wir sind ernst gestartet in diese Folge und schließen Dank Gerrit humorig: Die vier Briten vertonen konsequent bekannte Themes und packen sie in ein Punkgewand – auf diesem Album sind das Zeichentrickserien-Titelmelodien.

Dabei tummelt die Band sich hauptsächlich mit kurzen Clips auf TikTok. Hunderttausende Follower finden das genauso spaßig, kurzweilig und nostalgisch wie wir! So spaßig, dass Marco sich sogar die schicke Vinylversion des Albums kaufen musste. Die digitale Version für den Genuss zwischendurch findet ihr oben oder hier.