Dödsrit – Mortal Coil (2021)

Von Felix

Alter Schwede! Was für ein Brett: Christoffer Öster, der bereits mit ebenfalls nennenswerten Solo-Projekten auf sich aufmerksam machte und auch unter dem Namen Dödsrit alleine schon zwei Platten veröffentlichte, hat für den dritten Tonträger Mortal Coil dieses mal allerdings eine richtige Band um sich geschart. Das führt hierbei zu noch mehr Energie und wirkt sich absolut positiv auf das Gesamtwerk aus.

Die Platte Mortal Coil ist aufgrund der 4 Tracks eher eine EP, aufgrund der Länge von insgesamt 36 Minuten und somit fast neun Minuten pro Song hat es aber fast schon Langspieler-Länge, so spreche ich folgend auch häufiger vom „Album“.

Ich wusste nicht, was mich erwartet, als ich das Album zum ersten mal hörte und war trotzdem von der ersten Sekunde an voll im Bann. Dödsrit spielen eine kraftvolle Mischung aus verschiedenen Stilen bzw. Stilelementen. Ich bin in Bezug auf Stile auch alles andere als Purist und würde jetzt mal frei formulieren, dass man bei Dödsrit eine Art Black-Metal-Punk mit vereinzelten progressiven oder Metalcore-Elementen serviert bekommt. So hauen sie einem teilweise wütend stampfende Staccato-Akkorde um die Ohren, schreien größtenteils finstere Vocals ins Mikro und gehen dann in melodiösere und zum Teil fast schon sphärische Instrumentalparts über, in denen die Gitarren die Story des Tracks angenehm unaufdringlich weitererzählen. Das alles absolut bemerkenswert abgestimmt. Ich kann mich hier wiederholen, denn was ich bei Iron Maidens Senjutsu anmerkte, trifft auch hier – bei allen musikalsichen Unterschieden – voll und ganz zu: Songlängen von mehr als fünf Minuten erfordern einfach noch konsequenter eine gute Komposition. Auch bei dieser Platte bewundere ich das Timing der Wechsel von lauten und schnellen Teilen zu ruhigeren und langsameren Passagen. Diese markanten Strukturen verleihen jedem einzelnen Titel einen ganz eigenen Charakter. Gleich der erste Track The Third Door ist ein hervorragendes Beispiel. Mehr als 11 Minuten und keine Langeweile. Alleine die ersten 30 Sekunden zeigen gleich mal sehr eindrücklich auf was sich der Hörer eigentlich einzustellen hat.

Kritisch bleibt anzumerken, dass bei aller Abwechslung innerhalb der Songs die 4 Stücke der Platte insgesamt alle sehr ähnlich angelegt sind. Klar ist auch, dass Dödsrit keine leichte Begleitmusik zum Abendessen mit den Eltern ist, man muss für diese Gangart natürlich auch in der richtigen Laune sein. Solltet ihr z.B. in einer gestressten Phase eine Axt im Walde für unsortierte Gedanken im Kopf brauchen, dann ist Dödsrits Album Mortal Coil absolut die richtige Wahl. Und natürlich für alle, die sich ohnehin für etwas finsteren, aber nicht albern aufgesetzten Metal begeistern können. Interessierte bekommen den Tonträger in verschiedenen Formaten über Wolves of Hades.

Außerdem ist diese Kritik insofern zu relativieren, dass ich eindringlich empfehle bis zum Ende dranzubleiben, da das letzte Lied Apathetic Tounges, geschrieben von dem Gitarristen und zweitem Sänger Georgios Maxouris, auch textlich nochmal ein etwas versöhnlicheres Licht in das ansonsten wirklich finstere Album bringt. In dem leider recht kurzen aber sympathischen Interview auf metal.de erfährt man einiges über die Intention, die vor allem aus der Ermutigung, sich bei Depressionen helfen zu lassen, besteht. Mal ganz davon abgesehen, dass es hier auch nochmal musikalisch die volle Bandbreite gibt.

Mich haben Dödsrit jedenfalls voll erwischt und so gebe ich dem Album fette 8 von 10 Wellenbrechern.

#dödsrit #mortalcoil #wolvesofhades

Iron Maiden – Senjutsu (2021)

von Felix

Früher als Teenager und junger Erwachsener, der noch zu Hause wohnte, hatte ich in unregelmäßigen Abständen einen ganz spontanen Anflug eines wohligen Gefühls des Glücks über das eigene zu Hause verspürt. Meistens war das der Fall, nachdem man einige Tage sein scheinbar selbstbewusstes, spätpubertäres Ich durch verschiedene Sozialexperimente trieb und sich ein paar Nächte in Kneipen, Clubs, auf Konzerten und Partys oder einfach nur mit Freunden irgendwo draußen herumtrieb. Wenn man dann anschließend wieder zu Hause saß mit einem Kaffee in der Hand und alles um einen herum war die bekannte, gemütliche und sichere Umgebung und man dachte, den ganzen Party-Scheiß eigentlich gar nicht zu brauchen, waren das immer sehr glückliche Momente.

Was hat das jetzt bitte alles mit der neuen Iron Maiden Platte zu tun?!

Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn ich eine Iron Maiden Platte höre, dann erlebe ich einen ganz ähnlichen Moment. Ich experimentiere mich musikalisch gerne durch fast alles, was ich finden kann. Ich gebe meinen Ohren alles zu probieren und kenne nahezu keine Genre-Grenzen. Iron Maiden aber holen mich zurück. Dabei ist Metal gar nicht mal mein musikalisches Zu Hause, aber immer wenn die Stimme Bruce Dickinsons und die singende Gitarre Dave Murrays oder insgesamt der doch recht unverkennbare Maiden-Sound ertönt, dann fühle ich mich irgendwie einfach entspannt und gut.

Und so ging es mir auch beim Hören des neuen Albums. Direkt mit dem ersten Stück – gleichzeitig dem Titelstück des Albums Senjutsu wusste ich, dass ich eine Platte höre, die mich nicht enttäuschen wird. Hier werden genau die klassischen Maiden Merkmale abgerufen: die in den Strophen manchmal kehligen, etwas gepressten Vocals, im Chorus dann mitsingbar und teils hymnenartig und in der Bridge dann das verlangsamte, aber unverkennbar intonierte Rufen Bruce Dickinsons. Herrlich.

Bands, die so lange im Geschäft sind wie Iron Maiden brauchen derlei Markenzeichen. Es ist allerdings immer auch eine Gratwanderung bei neuen Aufnahmen. Man möchte die eigenen Fans nicht langweilen, aber sich auch nicht zu weit weg entwickeln und durch zu viele Experimente und Änderungen treue Hörer vergraulen.

Ich persönlich finde, dass der Band dies auf dem neuen Tonträger durchaus gelungen ist, denn zu den eben beschriebenen immer wiederkehrenden klassischen (Erkennungs-)Merkmalen gesellt sich eine doch eher ungewöhnliche Songstruktur, die allerdings viel Platz benötigt. Diesen Platz nimmt sich Iron Maiden und das gefällt mir ausgesprochen gut. Die Songs erzählen Geschichten und diese können nicht alle in radiotauglichen dreieinhalb Minuten erzählt werden. Beim Hören hatte ich nie das Bedürfnis einen der längeren Tracks weiterzuskippen, weil ich das Gefühl hatte genug gehört zu haben, sondern – ganz im Gegenteil – ich konnte mich so gut in den einzelnen Passagen verlieren, dass ich häufiger nachschauen musste, zu welchem Lied der Teil jetzt eigentlich nochmal gehört. Gerade die längeren Stücke – und es sind alleine drei von zehn Titeln mit über zehn Minuten Länge – machen für mich den Reiz des neuen Albums aus, weil die Dramaturgie unglaublich gut getimt und abwechslungsreich ist.

Die drei längsten Songs und vier weitere stammen allesamt aus der Feder des Bassisten Steve Harris. Ich verneige mich vor diesen Kompositionen. Auch die teilweise minutenlangen Instrumentalphasen nehmen einen sofort mit in die Story des Tracks bzw. des Albums insgesamt.

Diese Kombination – Maiden-typischer Sound und durchaus anspruchsvolle Songlängen – hat für eine Rotation gesorgt, die für Iron Maiden Platten bei mir eher ungewöhnlich ist (mit Ausnahme vielleicht der A Real Live One, die habe ich damals auch rauf und runter gehört).

So bleibt Iron Maiden für mich eine Band, von der ich nie sage, dass ich ein richtiger Fan bin, die aber dennoch eine bemerkenswerte Konstante in meiner Musik-Biographie abgibt, die sich durch das neue Album Senjutsu eindrucksvoll zurückgemeldet hat und mir damit nachhaltig zu eingangs beschriebenen Glücksgefühlen verhilft. Ich möchte dies mit ebenfalls bemerkenswerten 9 von 10 Wellenbrechern bewerten.

Soundgarden – Badmotorfinger (1991)

von Alex

So legendär wie die Songs auf dem Album ist auch das Cover

Ob es ein Jahr wie jenes vor 30 Jahren mit so viel bahnbrechenden Neuerscheinungen jemals wieder geben wird, ist mehr als fraglich. Darum widme ich mich im aktuellen Now Playing einem weiteren Album dieser Zeit. Nennt mich „rückwärtsgerichtet“, nennt mich „nostalgisch“ oder „ewiggestrig“, aber auch Badmotorfinger wird eben nur einmal dreißig und das muss gefeiert und vor allem besprochen werden. Herzlichen Glückwunsch, BMF!

Während die Alben Ten und Nevermind, so großartig sie auch sind (lest und hört hier ihren Boxkampf um die Krone), zur Kommerzialisierung des Grunge geführt haben, so ist ihr kleiner Bruder nicht minder gut, kommt aber in der globalen Wahrnehmung deutlich (!) zu kurz. Das mag zum einen am unglücklichen Erscheinungstermin gelegen haben – genau zwei Wochen nach der Nevermind-Explosion. Das mag aber auch an der Musik der Band gelegen haben. Mit Chris Cornell hatte Soundgarden zwar den (technisch betrachtet!) wohl besten Sänger seiner Zeit (sorry Ed und Layne, glaube, ihr würdet nicht widersprechen), aber die Musik ist schwerer verdaulich, als die der Kollegen von Pearl Jam oder auch Nirvana. Der Klangteppich um Cornells Ausnahmestimme herum war gewoben aus raumfüllender Dunkelheit und Melancholie. Eine brisante Mischung, die mich sofort gefangen nimmt.

Um also ein breiteres, ja authentischeres, Bild der Grunge-Szene Anfang der 90er zu zeichnen, heute der Hidden Champion des Jahres 1991: Soundgardens drittes Studioalbum, welches auch für einen Grammy* nominiert war (Best Metal Performance).

Los geht es mit Rusty Cage – ein einzigartig treibendes Kim-Chris-Gitarrenduett, das klingt wie ein gehetztes Tier. Der Song hat Power und Schnelligkeit, eine Art voranwalzende Naturgewalt. Was mir auch richtig gut gefällt, ist der von Drummer Matt Cameron implementierte Break, der den Schwung rausnimmt und von jetzt auf gleich einen unglaublichen Groove erzeugt:

Die Definition von Können: Solch ein Riff spielen und dazu noch singen – und zwar so!

Kleiner Exkurs zur Selbstgeißelung: Ich selbst lernte Rusty Cage und seine elf anderen Badmotorfinger-Kumpels erst viele, viele Jahre nach Veröffentlichung kennen. Ich nenne es das Black Hole Sun* Paradoxon. Der Über-Song der Band erschien erst 1994 auf dem bereits vierten (!) Album Superunknown und der ignorante, unerfahrene Mini-Alex dachte sich: „Ja, geiler Song, aber bestimmt so’n One Hit Wonder.“ Ja.. Nee!
Gesagt, Meinung gebildet, nicht weiter verfolgt. Black Hole Sun Paradoxon. Aber zu meiner Verteidigung: Damals war ich 11 und dieses Internetz gab es auch nicht. Heute allerdings kann es wider besseres Wissen auch passieren, dass ich mir bei Bands vorschnell eine Meinung bilde. Asche auf mein Haupt. Aber ich lasse mich gerne überzeugen. So wie es Soundgarden tat. Der besagte Über-Song jedenfalls ist nicht mal in meiner Top 3 der besten Soundgarden-Songs. Wahrscheinlich nicht mal in der Top 5. So viel also dazu!

Zurück zum Album. Nach Ausstieg von Hiro Yamamoto handelt es sich um das erste Album mit Ben Shepherd am Bass. Einige der Songs schrieb er ganz aktiv mit, so auch Jesus Christ Pose, an dem gar alle vier Bandmitglieder wesentlich beteiligt waren. Drummer Matt Cameron erinnert sich: ,,Als ich diesen Beat spielte, stürzten sich alle darauf, und innerhalb einer Stunde hatten wir den Kern des Songs. Die Herangehensweise, die wir bei diesem Song gewählt haben, war ein reiner Angriff auf die Sinne. Kanadier tanzen zu diesem Song.“ Wenn ich damals mit einem Riff wie jenem zu meiner Band gekommen wäre, die Jungs hätten mir Wadenwickel gemacht, mich auf die Couch gelegt und mir aufmunternd die Wange getätschelt: Schsch, alles wird gut, Junge! Und Soundgarden kreiert daraus einfach mal ein sechs Minuten Epos. Chris kreischt und schreit, die Gitarre flirrt. Ein Song wie ein Fiebertraum im Metal-Land. Brilliant hier die Bridge ab 4:20 Minuten, die tool-esk daherkommt und das obwohl Tool damals gerade erst gegründet war und noch gar kein Album veröffentlicht hatte. Heißt das etwa… Naja, ich behaupte mal: Keenan, Jones und Carey haben Badmotorfinger damals auch gehört:

4:20 Minuten: Listen & Repeat (!)

Natürlich wurden Lied und Video (Frau am Kreuz) heftig diskutiert und von Vielen als antichristlich verurteilt. Die Band erhielt sogar, wie bei fanatischen Christen offenbar üblich (?), Morddrohungen. MTV verbannte das Video bzw. spielte eine verkürzte, zensierte Version. Chris Cornell dazu:  „Das Programm [von MTV] funktioniert wie das eines kommerziellen Radiosenders: Je kürzer das Video ist, desto mehr Videos können sie spielen und sie dachten sich wohl, dass die Leute in der normalen Zeit, in der sie sich Videos ansehen, nicht sechs Minuten lang ein einziges Video ansehen wollen.“

Dann ist da noch Outshined. Ein Song, von dem alle sagen, wie schwierig es ist, ihn musikalisch (7/4 Takt) wie gesanglich zu covern. Viele probierten es, nur ganz wenige schafften es auf ähnlich hohem Niveau. Urteilt selbst:

Die Kommentare unter dem Video – Bsp.: “Taylor has pipes and even he shows how UTTERLY above the pack Chris Cornell was” (ROKTABULA) oder “do you realize how tough it is to cover Soundgarden?!!!” (gbwiz) – können Gerrit und ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Da diese Coverversion ein Tribute nach Chris Cornells Selbstmord war, schließe ich mich dem Kommentar von User Brian Haslip an: “It doesn’t matter if you think the tributes were good or bad, it matters that they were made with respect, and both of them [Stone Sour und Megadeth] clearly were”.

Nun sind Songs wie Rusty Cage, Jesus Christ Pose oder Outshined als Singles recht bekannt, die Single Room a Thousand years wide – ursprünglich bereits im September 1990 erschienen – geht dabei allerdings oft unter. Schade eigentlich, klingt der Song doch so unkonventionell wie der Titel philosophisch ist. Für das Album wurde extra eine neue Version eingespielt. Urheber sind Gitarrist Kim Thayil (Text) und Drummer Matt Camreron (Musik), womit Thousand years einer der ganz wenigen Songs ohne Chris Cornells Zutun im Songwriting ist. Hier zeigt sich also das musikalische Talent, sowie das Gespür für fordernde Andersartigkeit der gesamten Band. Während in Spoonman* (nicht auf diesem Album enthalten) allen Ernstes ein Löffel-Solo zu hören ist (Props to Artis the Spoonman), „ejakuliert“ in Thousand years wie aus dem Nichts ein Saxophon in die Musik hinein (gespielt von Scott Granlund vom Black Cat Orchestra aus Seattle). Freaking cool! 6/4-Takt bytheway.

Und in dem ultraschnellen Song Face Pollution zeigen Soundgarden, dass sie auch Punk können, obwohl dieses Etikett der Nummer mit seinen verqueren Takten eigentlich nicht gerecht wird (Grüße nochmal an Tool). Verrückt, was Kim Thayil und Matt Cameron hier spielen… Ihr merkt, ich könnte stundenlang über dieses Album schreiben, aber ich habe mal gelesen, Online-Artikel sollten nicht zu lang sein. Wegen der Aufmerksamkeitsspanne des Lesers. Gut, hat leider wieder nicht geklappt. Sorry dafür!

Abschließend empfehle ich jedem Fan guter Musik dieses Album zum 30. Geburtstag nochmal aufzulegen. Vielleicht zum 200. Mal, vielleicht aber auch zum ersten Mal. Wie sagt man so schön: Ich bedauere, dass ich Badmotorfinger nie wieder zum ersten Mal werde hören können.

Auch nach drei Dekaden ist dieses Album nicht nur „noch immer hörbar“, sondern ein absolutes Meisterwerk, welches an Aktualität, Authentizität und Power gar nichts verloren hat. Durch Chris‘ Selbstmord wirken Text und Musik heute noch dunkler, teils beklemmender. No one sings like you anymore!

Wir vermissen dich und deine Stimme!

9/10 Wellenbrechern

* ich persönlich bin kein großer Fan von Preisverleihungen, die sich hauptsächlich auf Subjektivität, Geschmack, Bekanntheitsgrad, Standing und damit auch „Nasenfaktor“ gründen, aber der Vollständigkeit halber: Soundgarden erhielt zwei Grammys (für Black Hole Sun und für Spoonman) und Chris Cornell als Solokünstler einen (für When Bad Does Good).

Marilyn Manson – We are Chaos (2020)

von Alex

Gemalt von Warner selbst: Hält das Album, was das Cover verspricht?

Vorweg:
Heute möchte ich aus gegebenem Anlass mal anders anfangen. Ich war nie ein großer Marilyn Manson Fan, wenngleich ich einzelne Songs wie den Fight Song, The beautiful people oder I dont like the drugs (but the drugs like me) schon stark fand. Doch nach einer inzwischen 20 Jahre alten Aussage des Mannes hinter dem Kunstprodukt, befasste ich mich mehr mit Brian Hugh Warner. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center hatte Warner Menschen getroffen, die gerade ihre Liebsten verloren hatten. Anschließend wurde er – der Mensch, nicht die Kunstfigur – gefragt, was er den Trauernden denn gesagt habe. Seine Antwort: „Gar nichts! Ich habe ihnen zugehört.“ Seit diesem emphatischen und intelligenten Satz sind Brian und ich Freunde. Er weiß nur nichts davon.

Auch deshalb haben mich die jüngsten Anschuldigungen der sexuellen Gewalt erschüttert, hätte ich Warner hinter der dicken Schminke als sehr philanthropisch eingeschätzt. Doch wie die allermeisten anderen Menschen habe ich keine weiteren Hintergrundinformationen zu den Vorwürfen, also springe ich – seht es mir nach – zu dem Teil, den ich beurteilen kann: Dem Musikalischen!

Im letzten Jahr hat Marilyn Manson, also die Band, nach unzähligen Mitgliederwechseln – Warner selbst blieb natürlich die Konstante – ihr inzwischen elftes Studioalbum We are Chaos vorgelegt, mitproduziert von Country-Sänger Shooter Jennings, der auch an den Songs mitschrieb. Der Erscheinungstermin der Platte war – vielleicht ein Zufall, vielleicht auch nicht – der 11. September 2020.

Auf geht’s:
Direkt im Intro des Openers Red, black and blue fühlte ich mich an Dee Snider’s Strangeland erinnert: Düster, unheilvoll, bizarr – wir hören 100% Manson, keine Marilyn weit und breit. Auch der sich daraus entwickelte Song bleibt dem Schema treu. Purer Drumbeat, harter Basslauf, charakteristisches Manson Gehauche und Geschreie. Gelungener Einstieg.

Anschließend verändert sich die Stimmung mit der titelgebenden Ballade We are Chaos. Dieser Track fasziniert mich. Auf der einen Seite kann ich mir sofort vorstellen, dass die ruhige, melodiöse Nummer auch im Popradio stark rotiert, auf der anderen Seite ist er doch so manson-durchtränkt, melancholisch und speziell, dass sich hier eine schön glänzende Perle in einer unscheinbaren Muschel versteckt. Sollte ich einem Blinden beschreiben müssen, wie ein Betty Boop Striptease aussieht (passiert ja ständig!), ich würde sagen, so wie We are Chaos klingt:

Interessanterweise zieht sich die melancholisch melodiöse Stimmung durch weite Teile des Albums. Der aggressive Manson zieht sich in tiefer Verbeugung und mit gezücktem Zylinder zurück und macht Platz für die zauberhafte Marilyn. So klingen Paint you with my love, Broken Needle oder auch das klavier-getragene (sehr starke!) Half-way & one step forward als träfe Trent Reznor auf The Cure.

Mit Infinite Darkness, das vom Titel her eine unheilvoll düstere Rockexplosion vermuten lässt, klopft man nochmal zaghaft an Mansons Tür, um den Aggressor zurück auf die Scheibe zu holen, aber der macht nicht auf. Und so gehört der Rest der Platte vollends der lieblichen Marilyn. Das Albumcover (siehe oben) ist in meinen Augen deshalb ziemlich irreführend, hätte ich mir eine andere Härte vorgestellt. Gedanklich bin ich immer bei Marcy Playgrounds Single Cover zu Sex and Candy (siehe hier – das hätte gepasst). Vielleicht ist aber gerade das mein „Problem“: Die Erwartungshaltung. Denn die Diskrepanz zwischen Cover und Musik passt in ihrer Ambivalenz wiederum zu Künstler und Band.

Fazit:
Das Album lässt mich ein wenig ratlos zurück, was – zugegeben – schlecht ist für eine Rezension. Die balladesken Lieder sind handwerklich sehr gut umgesetzt, aber auf Dauer war mir das zu wenig. Auf einen Langzeit-Aha-Effekt und einen wütenden Manson warte ich noch immer. Viele Lieder klingen zu ähnlich, zu zahm. Mit We are Chaos macht Marilyn Manson einen großen Schritt in Richtung „künstlerische Freiheit“ und das gefällt mir. Jedoch werden längst nicht alle Facetten der Freiheit ausgeschöpft, die möglich gewesen wären. Free Manson!

6,5/10 Wellenbrechern

Boxkampf im Schwergewicht: Ten vs. Nevermind (1991)

von Alex

Diesen bzw. nächsten Monat feiern zwei der großartigsten Rockalben der 90er Jahre ihren 30. Geburtstag. Grund genug, für den Wellenbrecherbereich recht herzlich zu gratulieren, demütig Danke zu sagen und auf ganz besondere Art und Weise auf die beiden Schwergewichte einzugehen.

Denn um es etwas spannender für euch und uns zu machen, tritt Pearl Jams Debüt heute gegen Nirvanas Zweitling im Boxring über zwölf Runden gegeneinander an.

Nevermind natürlich in der blauen Ecke – Einlaufmusik hier*.

Ten in der roten Ecke – Einlaufmusik hier*.

Kampf der Titanen. Song für Song, Runde für Runde. Da Ten aber nur elf offizielle Songs hat (siehe Steckbrief), muss ich ein wenig tricksen: In Runde 12 lasse ich Nirvanas “Something in the way“ gegen “Dirty Frank“, den meiner Meinung nach stärksten Hidden Track auf Ten (europäische Version) antreten. Abschließend sei noch versichert, dass auch ich an dieser Stelle natürlich nicht weiß, welches Album am Ende mehr Runden für sich entscheiden wird, mag es zum Teil auch an der vorgegebenen Titelreihenfolge liegen. Nach dem Kampf gibt es ein kurzes Fazit, sowie ein paar Sidefacts zu beiden Werken/Bands. Und nun:

Ding, Ding, Ding!

Runde 1: Smells like Teen Spirit vs. Once

Über 1,3 Milliarden mal (!) aufgerufen auf youtube kann die Hymne einer ganzen Generation, deren Frust sich im neuartigen Grunge bahnbrach, kaum verlieren, wenngleich Once mit einem echt episches Gitarrenriff dagegenhalten kann. Die Nummer ist zudem Teil der legendären Mamasan Trilogie, die Eddie den Einstieg in die Band bereitete (auf Demo mit Alive und Footsteps) Trotzdem: Die Runde geht klar an Nevermind. 1:0

Runde 2: In Bloom vs. Even Flow

Einer der markantesten Drum Beats der „jüngeren“ (?) Rockgeschichte auf der einen Seite (In Bloom) und auf der anderen mit Even Flow ein treibendes Repeat Riff der Extraklasse, welches sich wie eine Welle durch den Song schiebt. In Bloom überzeugt mit puristischem Swag, Even Flow kontert mit Headbang-Frickel-Solo. Während andere Punktrichter links und rechts neben mir den Gleichstand ausrufen, sehe ich Ten leicht vorne. 1:1

Grimmiger Blick: „It’s not a TV studio! Josh, turn these lights out!… It’s a fuckin‘ Rock concert!“ Weltklasse!

Runde 3: Come as you are vs. Alive

Auch in Runde 3 will sich keiner der Beiden so leicht geschlagen geben. Ein Fight auf höchstem Niveau, wenn sich die zwei Klassiker des Rocks vergleichen. Come as you are ist ruhiger, Kurts Stimme umschmeichelt, die Lyrics regen, bewusst widersprüchlich, zum Grübeln an. Die Legende besagt, dass Kurt damals gegen eine Veröffentlichung gewesen war, da das heute weltberühmte Gitarrenriff frappierend nach dem Song Eighties der britischen Band Killing Joke klang. Auch die Simpsons konnten sich Jahre später einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen (Episode “That 90s Show“, hier der Gag bei 1:05 Minute). Alive auf der anderen Seite ist der Prototyp des perfekten Rocksongs. Dazu der (teilweise!) autobiographische und sehr bildhafte Text und eines der ekstatischsten Gitarrensoli in der Rockmusik ever. Da hat sogar die Hühnerpelle Hühnerpelle! Punkt für Ten. 1:2

Sagte ich schon, dass ich dieses Solo liebe? Danke Mike! Ab 3:44 bis zum Ende…

Runde 4: Breed vs. Why Go

Verdammt nochmal, was ist das bitte für ein geiles Gitarrenriff in Breed? Und dazu Daves ekstatischer Trommelwirbel (Nevermind ohnehin Das Trommelwirbel-Album). Verdammt nochmal, was ist das für ein geiles Solo in Why Go, dazu Bass und Drums in perfektem Einklang? Verdammt nochmal, warum hatte ich bloß diese Idee eines Boxkampfes? Aber Why go home? Hintertürchen, Unentschieden. Punkt für beide: 2:3

Runde 5: Lithium vs. Black

Black ist eine zeitlose Ballade mit wunderschöner Melodie, die Pearl Jam damals als so stark und zugleich verletzlich eingeschätzt hat, dass die Band sie aus Kommerzgründen bewusst gerade nicht zur Single gemacht hat. Eddie: “Some songs, just aren’t meant to be played between Hit No. 2 and Hit No. 3 [….]  those fragile songs get crushed by the business. I don’t want to be a part of it. I don’t think the band wants to be part of it.” Starkes Statement. Lithium vereint rockigen Refrain mit ruhigeren Strophen. Jahrelang von mir selbst auf der Gitarre rauf und runter gespielt und mit der Band gecovert. Ob in Zerlegung oder als Power-Chords: Das Riff macht einfach Spaß! Aber gegen Black gewinnen? Mammutaufgabe, daher: 2:4

Runde 6: Polly vs. Jeremy

Polly, Nirvanas erster puristischer Akustiksong auf einem Studioalbum, handelt von einer wahren Begebenheit: Die Entführung und Vergewaltigung einer 14-Jährigen in Tacoma. Kurts kratziges Timbre ist unvergleichlich. Am Drumset ist hier übrigens nicht Dave Grohl, sondern noch Bleach-Drummer Chad Cahnning zu hören. Jeremy ist einer der wichtigsten Pearl Jam Songs. Charakteristisches Bass-Intro und ein ebenfalls ganz düsteres Songthema: Jeremy, ein gemobbter Jugendlicher, erschießt sich im Klassenzimmer (Details dazu ganz unten bei den Sidefacts). Man kann die Verzweiflung in der Musik und in Eddies Stimme förmlich spüren. Ten vor Nevermind. 2:5

Runde 7: Territorial Pissings vs. Oceans

Ein Duell, wie es unterschiedlicher kaum sein könnte. Territorial Pissings schießt uns mit ultraverzerrter Gitarre die Falten aus dem Hemd, während Oceans als mystisch nachdenkliche Ballade über Ozeane und Surfbretter (und wahlweise lt. Eddie über Beth Liebling) mir auch sehr sympathisch ist. Dennoch: Territorial Pissings rockt mehr als dass mich Oceans berührt. 3:5

Runde 8: Drain you vs. Porch  

Nach Runde 1 hier mal wieder eine relativ klare Angelegenheit für Nevermind: Drain you hat einen fantastischen Ohrwurmcharakter, was Kurt vermutlich eher gewurmt als gefreut hat. Es geht um Liebe, vielleicht wird hier die Trennung von Tobi Vail (siehe Side Facts unten) thematisiert. Ganz klar ist das nicht, sind Kurts Lyrics im Gegensatz zu Eddies doch meist stark chiffriert. Krist in einem Interview nach Kurts Tod dazu: „Kurt said that he never liked literal things. He liked cryptic things.“ In Porch haben wir so eine musikalische Schnelligkeit, dass Eddie (fast) das Rappen anfängt. Guter Song, aber nicht gut genug: Nevermind platziert einen wuchtigen linken Haken – 4:5

Runde 9: Lounge Act vs. Garden:
Krists genialer Basslauf und wütender Kurt treffen auf unterschätzten Pearl Jam Song: „I will walk with my hands bound, I will walk with my face blood, I will walk with my shadow flag, into your garden… Garden of stone!” Subtiler Anti-Kriegssong (meine Interpretation, ohne Gewähr!) mit Gänsehaut-Text, Mitgröl-Refrain und einmal mehr einer unvergleichlichen Stimme! Aber wer so schön und inbrünstig: „Truth, covered in Security!“ schreit hat das Momentum auf seiner Seite. Knapper Sieg für Nevermind, Ausgleich: 5:5

Runde 10: Stay Away vs. Deep

Ein weiteres Rockbrett vom Feinsten, das eigentlich nicht Stay Away, sondern Pay to Play heißen sollte. Die “lapidare“ Textzeile „Every line ends in a rhyme“ ist bei näherer Betrachtung genial, nimmt Kurt hier (vermutlich) die Berechenbarkeit der Menschen auf die Schippe. Der Song hat wie so oft bei Nirvana eine einfache, wiederholende Songstruktur. Deep hingegen lebt von seinem verrückten ¾ Beat. Die gesamte Nummer erinnert mich immer an das Dr. Jekyll / Mr. Hyde Thema. Dennoch für mich der (wohl?!) schwächste Song auf Ten, was einiges über das Gesamtniveau aussagt. Nevermind hat einen Lauf, gewinnt die letzten vier Runden am Stück und führt plötzlich 6:5.

Runde 11: On a Plain vs. Release

Der Nevermind-Song “aus der zweiten Reihe“, richtig geile Nummer, Mitsing-Melodie, vielfach unterschätzt. Release ist ein sehr dröhnender und zugleich tief fragiler Song, Thema: Eddies Beziehung zu seinem leiblichen Vater. Denn erst nach dessen Tod erfuhr Eddie, dass er sein Vater gewesen war. Wenn er voller Verzweiflung singt: „Oh, dear dad, Can you see me now?, I am myself like you somehow… […] Release me!“ , ist ein dicker Kloß im Hals vorprogrammiert. Die Macht von Text und Musik. Enges Höschen, aber Ten gleich aus: 6:6

leider war keine Live-Version rechtlich verfügbar

Runde 12: Something in the way vs. Dirty Frank

Alles oder nichts, Do or Die in der allerletzten Runde. Okay, zugegeben, hier vielleicht ein etwas unfaires Match: Offizieller Song gegen Hidden Track. Der schmutzige Frank hat Stil. Auf Tour mit den Red Hot Chili Peppers, alberten die Bands herum, ihr Fahrer Frank wäre ein Serien-Killer. So entstand dieser Song. Musikalisch hört man hier extrem die genannten RHCP heraus: Sehr funky, „Give it away“ Vibes überall. Gute Nummer. Trotzdem: Gegen das atmosphärisch dichte Something in the way hat selbst ein Serienmörder-Busfahrer keine Chance. Produzent (und Garbage-Drummer) Butch Vig entschied, dass dieser Song ganz pur hauptsächlich nur mit Gitarre und Kurts gebrechlichem Gesang eingespielt werden solle (Dave setzt zwar im Refrain auch ein, aber nur rudimentär). Ein weiser Entschluss: 7:6. Ende. Das letzte Mal ertönt die Glocke. Beide Kontrahenten sind platt! Und wir auch!

Musikgeschichte!

Fazit:
Beide Alben kommen hoch motiviert aus der Kabine. Vor allem ab Runde 2 brennt Ten ein veritables Feuerwerk ab. Nevermind zeigt jedoch Nehmerqualitäten und lässt sich einfach nicht auf die Bretter schicken. Das Durchhaltevermögen wird belohnt und so kann Nevermind mit zunehmender Kampfdauer das Momentum shiften. Ten lässt sich tatsächlich noch die Marmelade von der Perle nehmen (oder so?!). Ein spannender Kampf bis in die letzte Runde auf allerhöchstem musikalischen Niveau, den Nevermind heute knapp gewinnt (Gott sei Dank kein Unentschieden, ich hasse Unentschieden!). So oder so: Meiser(werke) in ihrer eigenen Liga! Für mich, als Kind der Neunziger, zwei der stärksten Rockalben, die je geschrieben wurden.

Schön, dass ihr live dabei wart, schaut gerne noch unten in die Sidefacts. Und ansonsten vielleicht bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt:
Let’s get ready to rumble! Wie wäre es zum Beispiel mit Bleach vs. Vs.?! => Riesen Gag! 🙂

Sidefacts zu beiden Alben:

Nevermind:
Fast wäre ein weibliches Baby auf dem Cover von Nevermind erschienen, aber das Label intervenierte: „We want the d****!“ So wurde es der kleine Spencer Elden, beim Shooting vier Monate alt, heute demnach wie das Album 30 Jahre. Und so sieht er aus:

Elden: “Everyone out there in the world has already seen my penis.”

MC Lars & Mega Ran übrigens haben das legendäre Cover im Jahr 2019 auf sehr interessante Art persifliert (Song „Jabberwocky“ vom Album „The Dewey Decibel System“):

Auch interessant: Die Band – also Nirvana jetzt – wurde aus ihrer eigenen Record Release Party im Re-bar (Seattle) rausgeschmissen, weil sie sich nicht benehmen konnte. Wenn das nicht grungy ist.

Der Titel zu Smells like Teen Spirit ist auf Kathleen Hanna von Bikini Kill zurückzuführen. Sie hatte damals, um Kurt zu ärgern, an dessen Schlafzimmerwand die Zeile Kurt smells like Teen Spirit gesprüht. Kurt fand das cool, sah einen tieferen Sinn in den Worten und ließ sich inspirieren. Gemeint war allerdings das gleichnamige, süßblumig riechende Teeny-Deodorant, welches Kurts Freundin, die Bikini Kill Schlagzeugerin Tobi Vail, damals offenbar verwendete.

Der Arbeitstitel des Albums war „Sheep“, ein Insider-Witz der Band. Er beruhte auf der Vermutung, die Massen würden nach Veröffentlichung wie Schafe zu dem Album strömen. Es waren dann ~30 Millionen Schafe und die Band hatte Recht behalten. Hier ist auch eins: Määäh!

Ten:
Zum legendären Alive-Solo: Eigentlich war es viel kürzer, doch der britische Ton Ingenieur Tim Palmer überredete Mike McCready, ein längeres Solo zu spielen, um das Ende des Liedes so zu veredeln.

Im Song „Oceans“ verwendete Palmer Pfefferstreuer und Feuerlöscher als Percussion.

Die bereits erwähnte „Mamasan“-Trilogie (siehe Runde 1) wird auch als Mini-Oper bezeichnet, die einen jungen Mann thematisiert, dessen Vater stirbt (Alive). Danach begeht er einen Amoklauf (Once), was abschließend in seiner Exekution resultiert (Footsteps). Krasser Scheiß!

Mike McCready über „Even Flow“: „Wir haben „Even Flow“ etwa 50, 70 Mal eingespielt. Es war ein Albtraum. Wir haben das Ding immer und immer wieder gespielt, bis wir uns gegenseitig gehasst haben. Ich glaube, Stone ist immer noch nicht zufrieden mit dem Endergebnis.“

Der großartige Song „Yellow Ledbetter“ wurde eigentlich auch für Ten geschrieben, schaffte es aber, wie einige andere, nicht auf das Album. Dafür ist es nun auf dem B-Seiten-Doppelalbum „Lost Dogs“ zu hören.

In dem Song „Jeremy“ geht es konkret um den 15-jährigen Jeremy Wade Delle, der sich am 8. Januar 1991 in der Schule vor seinen Klassenkameraden und der Lehrerin erschoss. Er war Opfer von Mobbing gewesen. Eddie Vedder: „Du [Jeremy] bringst so ein großes Opfer, um dich zu rächen. Aber alles, was du bekommst, ist ein kleiner Artikel in der Zeitung. Und nichts ändert sich, nichts. Die beste Rache liegt immer noch darin, weiterzuleben und stärker zu sein als diese Leute.“ Eddie wollte mit dem Song bewirken, dass Jeremny und das Resulat von Mobbing nicht so schnell wieder in Vergessenheit gerät. Für die Familie war die Berühmtheit und der Erfolg des Liedes – gerade in Verbindung mit dem echten Namen – auch belastend gewesen.

* ja, beide Einlauf-Titel sind nicht auf dem jeweiligen Album zu finden. Ich habe einfach überlegt, welche Songs der Bands gut geeignet wären, um kraftvoll und überzeugend in den Ring zu marschieren. Ich habe mich für diese Rockbretter entschieden.