Genuary Tipp: 9/31: Pure Reason Revolution (Chloe Alper)

In unserer letzter Veröffentlichung des vergangenen Jahres – dem Dreckigen Dutzend Best of 2022 – hatte ich mir u.a. eine Nummer von dieser Band herausgepickt. Dead Butterfly zählt in seiner natürlich fließenden Struktur und seinem Facettenreichtum zum Besten, was ich in 2022 gehört habe.

Die Band hinter diesem Song kann sich glücklich schätzen, mit Chloe Alper nicht nur eine tolle Sängerin, sondern auch Musikerin in ihren Reihen zu haben (hauptsächlich Keyboard und Bass). 2003 an der Londoner Westminster University gegründet, kristallisierte sich schnell eine aufregende Mischung aus avantgardistisch sphärischem Rock und down to Earth Elektro heraus. Nach vier Alben und einer kurzzeitigen Schaffenspause, kam die dreiköpfige Band 2020 in mit ihrer knapp 48-minütigen Sechs-Track-LP (!) Eupnea fulminant zurück. Und 2022 dann eben Above Cirrus mit Dead Butterfly und anderen progressiven Songs. Der Bandname übrigens passt ideal zu meinem Blogartikel Literatur in der Musik (Link), denn Pure Reason Revolution steht für Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft.

Genuary Tipp 8/31 2022

The Warning aus Monterrey, Mexiko

Nur ein Wort: Bemerkenswert!

Das junge, unglaublich quirlige Schwestern-Trio hat bereits zwei komplette Alben in seiner Diskographie (per Crowdfunding finanziert und selbst produziert). Bei den Aufnahmen zum Debüt XXI Century Blood (2017) war die jüngste Schwester Alejandra (Bass) gerade einmal elf Jahre alt. Ernsthaft? Ja!

Nun erschien vor wenigen Wochen mit Animosity eine neue rockstarke Nummer (das Video von Webtoon passt erschreckend großartig zum Song). Dem nicht genug: Im Herbst letzten Jahres wurde bereits die EP Mayday rausgehauen. Auch das Teil rockt, als seien die Drei schon ganz alte Hasen.

Mit einer klassischen Klavierausbildung im Rücken ging es für die Villarreal Velez Schwestern über beachtenswert komponierten Poprock hin zur Straight ahead Rockmusik. Aber hört selbst, (live) action speaks louder than words:

Lieblingsstelle? Na klar, ab 2:25 Minuten.

Neben den fünf englischsprachigen Songs gibt es auf der EP auch diese spanische Perle. Überzeugender Gesang, ohrwurmbefeuernde Melodie, butterweiches Songwriting:

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass The Warning spätestens ihr zweites Album Queen of the murder scene (2018) nicht selbst hätten produzieren müssen. Interessierte Plattenlabel gab es. Doch die Band wollte sich ihre Unabhängigkeit erhalten. Independent Rock im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Lava Records haben Daniela (Gitarre und Gesang), Paulina (Drums) und Alejandra im Jahr 2020 offenbar ein Label gefunden, welches ihnen diese gewährt.

Abschließend drücke ich die Daumen, dass die Drei für ein paar Gigs schleunigst nach Europa, bevorzugt Deutschland, kommen. Am 15. März jedenfalls eröffnen sie erstmal für die Foo Fighters in Mexico City. Da werden viele, viele Menschen auf die jungen Mexikanerinnen aufmerksam werden. Wenn The Warning keine rosige Zukunft blüht, stünde es um die Vielfalt in der Musik wohl noch schlimmer als befürchtet. Mark my words!

Instagram: The Warning

Genuary Tipp 6/31 2022

Code Orange aus Pittsburgh, USA mit Reba Meyers (Gitarre, Gesang)

Untätigkeit kann man der Hardcore Band aus Pennsylvania wahrlich nicht vorwerfen. Nachdem 2020 ihr viertes Studioalbum Underneath auf den Markt kam und flugs eine düstere unplugged Session hinterhergeschoben wurde (höre und siehe hier), traf man sich im letzten Jahr mit niemand geringerem als Billy Corgan von den Smashing Pumpkins, um gemeinsam an neuem Material zu arbeiten. Eine durchaus spannende Kooperation. Wer sich das frisch veröffentlichte Out for Blood zu Gemüte führt, dem/der wird Corgans Mitarbeit aber wohl nicht gleich ins Ohr springen. Oder doch?

Dass Code Orange aber auch ohne Corgan rocken können, haben die bisherigen Veröffentlichungen eindrücklich bewiesen. Besonders gut gefällt mir dabei, wenn Reba Meyers nicht „nur“ virtuos Gitarre spielt, sondern in ausgewählten Stücken auch Shouter Eric Balderose die Hauptarbeit am Mikrophon abnimmt und singt – wie hier im titelgebenden, elektro-metaligen Underneath:

Erste Sporen im Musikbusiness verdiente sich Meyers bereits in ihrer vorherigen Band Adventures, die deutlich in Richtung Indie und Melody Punk ging.
Eine kurze Reise in die Vergangenheit – youtube macht’s möglich:

Aber zurück ins Hier und Jetzt:
Denn so darf man sich in diesem Jahr auch live auf die umtriebige Band freuen. In meiner Videobotschaft auf Instagram zu unserem Genuary sagte ich, dass sich die großen Festivals durchaus diverser zeigen dürfen. Code Orange ist aber bereits seit Langem Teil des Rock am Ring Universums (2015, 2017 und eben 2022 – ja, wer einmal auf Mareks Liste steht…).

Instagram:
Code Orange
Reba Meyers

Genuary Tipp 4/31 2022

In This Moment aus Los Angeles mit Sängerin Maria Brink

Zugegeben: Die Kalifornier In This Moment sind wahrlich kein neuer Stern am Metal Himmel. 2020 kam mit Mother ihr bereits siebtes Studioalbum heraus. Über die 14 Stücke hinweg sorgt vor allem Maria Brink für besondere Hinhörmomente.

Aber lasst euch bitte nicht täuschen: Die Single As above, so below ist deutlich härter und zugleich eingängiger als der Großteil des neuen Albums. Grundsätzlich ist die Band heute eher eine atmosphärische, spielt mit dunklen Samples, vielen ruhigen Passagen, mit Elektrobeats und einem Mix aus Distortion- und Clean-Vocals. Im Laufe der Diskographie gingen In This moment in großen Schritten immer weiter weg vom gutturalen Metal Core hin zum melodischen Metal.

Das hört man auch auf dem neuen Album. Nach dem ultra-düsteren Opener/Interlude schwappt uns plötzlich bei Fly like an Eagle eine altbekannte Melodie entgegen. Mit dem Original der Steve Miller Band aus den 70ern hat die Nummer hier aber herzlich wenig zu tun. Auf die Idee, einen solchen Song neu zu arrangieren, muss man erstmal kommen. Seit ihrer Gründung im Jahre 2005 streut die Combo immer wieder Coversongs in ihr Programm ein, so gibt es auch auf Mother ein zweites Remake: Bei We will rock you versammelt Brink mit Taylor Momsen von The Pretty Reckless (Now playing… zum Album Death by Rock and Roll hier) und Lzzy Hale von Halestorm (bitte Namen merken!) zwei Gesangskolleginnen. Mother ist für mich definitiv eines der schwächeren Alben und wirkt passagenweise ziemlich einfallslos.

Dennoch: Dass Maria Brink eine tolle Sängerin ist, bleibt unbestritten. Die klaviergetragene Ballade The Fighter vom Album Black Widow ist groß:

Auch als Frontfrau versprüht Brink auf der Bühne pure Energie. Live habe ich sie und ihre Kollegen zwar noch nicht gesehen, aber es muss wohl ein Spektakel sein. Sie selbst ist gewandet in die skurrilsten Kostüme, spielt gekonnt mit dem Publikum, die Musiker ebenso geschminkt wie ihre Sängerin und auch dramaturgisch passiert immer etwas:

schlechte Video- und Tonqualität, volle Energie! You can’t stop me!

So, Genuary Tipp und kurzes Now Playing zu Mother… zwei Fliegen, eine Klappe!

Instagram: In this moment

Website: Maria Brink

#22 das dreckige Dutzend (Videospielmusik)

Keine Sorge, auch wenn Felix (das letzte mal) nicht da ist, kommen wir in unserem heutigen „dreckigen Dutzend“ auf zwölf Songs. Denn wir haben mit Ingmar, den ihr schon aus unserer Folge #20 (Doom gelaufen – Musik in Videospielen) kennt, kompetente und sympathische Unterstützung erhalten. Was sind unsere 4×3 Lieblingstracks in Videospielen? Da es wirklich so viel unglaublich gute Musik in diesem Bereich gibt, sind wir auch neugierig auf eure favorisierten Themes.

Anmerkung zum Sound: Leider waren einige Handystörgeräusche, speziell in der dritten Runde, zu hören und von der Post-Produktion nicht mehr wegzubekommen. Ein dickes Sorry dafür von uns. Nächstes mal wieder ohne!

Die Folge ist auch auf den gängigen Streamingdiensten abrufbar.