#31 Converge ft. Chelsea Wolfe – Bloodmoon: I (2021)

Eine Kooperation, die einem nicht sofort in den Sinn kommen mag – oder gerade doch? Die seit Dekaden etablierte Hardcore Band Converge fusioniert hier mit der Dark Folk Rock Künstlerin Chelsea Wolfe. Wie das Resultat beim Wellenbrecherbereich ankam, hört ihr ab sofort in unserer neuen Albumbesprechung – ausgewählte Songschnipsel inklusive. Jetzt überall, wo es Podcasts gibt und hier:

Wie ist eure Meinung zur Scheibe? Schlagt ihr zu, sobald die schicke Vinyl kommenden Monat erscheint?

„Tipps aus’m Pit“ zum Nachbetrachten (aus #30)

Gerrit:
Der Storyteller, die Autobiographie des Musikverrückten Dave Grohl, liest sich so weg und enthält viele interessante Anekdoten und Hintergrundgeschichten zu einer einzigartigen Karriere, die – wie wir alle wissen – nicht immer nur steil bergauf führte. Der ehemalige Nirvana Drummer und Foo Fighters Gründer berichtet offen und ehrlich von seinem Werdegang. Das Buch ist erhältlich (oder zumindest bestellbar) in der Buchhandlung eures Vertrauens. Erschienen im Ullstein Verlag.

Dave Grohl auf instagram: davestruestories

Alex:
Alex hatte über seinen heutigen Tipp schon im Genuary geschrieben (siehe hier).
Die israelische Musikerin Ninet Tayeb bietet ihrem Publikum eine unvergleichliche musikalische Reise – die markante, voluminöse Stimme als Anker immer dabei.
Mit Paper Parachute hat sie ein beeindruckend frisches Album hingezaubert. Hier eine besondere Live-Version eines von Alex‘ Favoriten:

Ninet im Streaming: Spotify
Ninet auf Instagram @n.tayeb

Marco:
„Micro“ Bogumil und Konrad Kittner – Deutschpunkern der 80er und 90er Jahre bekannt als Abstürzende Brieftauben – haben es jüngst vermehrt in Marcos Playlist geschafft. Denn das Duo aus Hannover hat mit ihren witzigen und teils skurillen Texten dem kleinen Stepke damals die wunderbare Welt des Punkrock näher gebracht. Wer schwelgt da nicht gern in Erinnerungen?

Nach der Auflösung Ende der 90er und Kittners Tod 2006, brachte Micro die Tauben 2013 nochmal in die Lüfte: Mit seinem neuen musikalischen Partner, dem umtriebigen Oliver Sauerland (sehr cool die von ihm geschriebene Single keine Angst für den satirischen Blog Hooligans gegen Satzbau), gab es neues Futter für die Ornithologen unter uns. Dabei sind die Tauben 2.0 inzwischen deutlich politischer:

Abstürzende Brieftauben im Streaming: spotify
Abstürzende Brieftauben auf instagram: @abstuerzendebrieftauben

Felix:
Living Colour – ein (ebenfalls) nostalgischer Tipp, der seine Triebe (ebenfalls) bis ins Heute streckt: Das US-amerikanische Metal-Funk-Rock-Quartett um Sänger Corey Glover gründete sich bereits 1985. Erstes Album 1988, Rassismusvorwürfe gegen Guns n Roses Ende der 80er, Austausch des Bassers 1992, Auflösung 1995 nach drei Studioalben.

Im Jahre 2001 dann die Reunion, drei weitere Alben sollten bis heute folgen. 2017 das bisher letzte – Shade. Wie Felix es im Podcast erwähnt, klingen Living Colour heute etwas bluesiger und hiphop-lastiger als damals. Das wirkt wie eine gelungene Frischzellenkur. Und auch an Können und Glaubwürdigkeit haben die Jungs im Laufe der Zeit rein gar nichts eingebüßt – ganz im Gegenteil:

Living Colour im Streaming: spotify
Living Colour auf instagram: @livingcolourofficial

#30 Tipps aus’m Pit: Mai 2022

Lang, lang ist es her… seit wir das letzte Mal unsere Tipps aus’m Pit zum Besten gegeben haben. Das muss an den ganzen Specials, Genuaries, Interviews und Verlosungen gelegen haben. 😉
Hört in unserer neuen Folge, mit welchen Musiker*innen wir uns zuletzt vermehrt beschäftigt hat und auf welche Weise wir dies taten. Belebt werden unsere heutigen Empfehlungen durch eingespielte Soundbeispiele. Weitere Informationen, inklusive Links und Musik, findet ihr unter „Tipps aus’m Pit“.

Disclaimer:
In den heutigen Tipps aus’m Pit sprechen wir unter anderem über Dave Grohl und die Foo Fighters. Dabei machen wir – wie ihr es von uns gewohnt seid – auch ein paar Späßchen. Dass die Stimmung so ausgelassen ist und wir kein Wort verlieren über den tragischen und unerwarteten Tod Taylor Hawkins‘ ist einzig dem Umstand geschuldet, dass diese Folge bereits deutlich vorher aufgezeichnet wurde.

Unsere Gedanken gehen raus an Taylors Familie, seine Freunde und nicht zuletzt die Foo Fighters.

Taylor, you’ll be truly missed, but your music and spirit still echo in our hearts!

#29 Im Interview mit Mischwald

Das Lauschen im Walde… Im Rahmen unseres Interview-Formats trafen sich Marco und Alex heute mit zwei Mitgliedern der eigentlich vierköpfigen Punkrockband Mischwald. Lars (Gesang und Bass) und Didi (Drums) plauschen bei Bier und Wasser ganz offen und sympathisch über die Entwicklung des Punkrocks in Deutschland, den Status Quo und die vor einem Jahr erschienene Mischwald-Platte Gut gemeint, die es alsbald über unsere Kanäle auch noch zu gewinnen geben wird. Hört rein – #gegenmonokultur

Fin The Chaef – Spaß war gestern (2020)

von Alex

Wir sind F T C – Fin The Chaef, Motherfucker! rappt Frontmann Vincent uns im gleichnamigen Song voller Überzeugung entgegen, als wäre es nie anders gewesen. Und selbst wenn der eigentümliche Bandname der Kieler Jungs – augenzwinkernde Hommage an einen ehemaligen Bewerber um den Job des Bassisten – schon lange existent ist, so musste die Band im Laufe ihres elfjährigen Bestehens bereits vermehrte Fluktuation an den Instrumenten und auch am Mic verkraften. Mit dem Aussteigen von Sänger Firat, der mit zwei Features auch auf dem Album dabei ist, wurde gar von ehemals englischen zu deutschen Texten gewechselt. Es war also durchaus ein beschwerlicher Weg, der einer Sackgasse gefährlich nahe kam, bis zum ersten Long Player Spaß war gestern. Oder mit den Worten von Fin The Chaef: Kommt, wir nehmen euch mit auf den Trip!

Schon zu Beginn des Albums wird klar, was uns die Chefköche von der Waterkant hier als Appetizer auftischen: Im 2:40 Minuten kurzen Opener Das Es bricht sich ein Gitarrenriff bahn, das indirekt an den Schriftsteller John Steinbeck erinnern lässt. Wie das? Früchte des Zorns, der Farmer Tom Joad, Bruce Springsteen Song, Rage Against the Machine Cover. Punkt.
Direkt nach dem Ghost of Tom Morello Kopfnicker Downbeat manifestieren sich Uptempo Punkchords und kicken den Song schwungvoll in eine neue Richtung. Appetitlich angerichteter Nu Metal Punk, garniert mit Vincents düsterem Rap (jetzt regiert das Es mein Leib und es bleibt. Ich treib die bösen Geister aus’m Wald und es wird kalt), macht Hunger auf mehr!

Und da wir schon bei denTexten sind: Im nächsten Titel Lass es Asche regnen – meiner Hassliebe des Albums – schlüpft der Sänger in die Rolle des ignoranten Wohlstandseuropäers, der sich gewaltig langweilt, während unsere Welt in Flammen steht:

Ja, ich lebe in Deutschland und das ist das Problem.
Ich habe keinen Hunger, denn ich lebe bequem. […]

Meine Hobbies sind lesen, Fahrrad fahren und wichsen.
Ab und zu geh ich auch schwimm’n, wandern oder fixen – ähh flixen… Netflix natürlich…

Der verschleppte, synkopierte Schlagzeugbeat, dessen Hi-Hat-Zählzeiten bewusst den akzentuierten Sprechgesang deckeln, ist ein absolut gelungener Aha-Effekt. Im Pre-Chorus und Chorus wird es dann textlich und musikalisch deutlich ernster und härter, wenn das Resultat des westlichen Lebensstils offengelegt wird. Stimmlich unterstützt wird Vincent dabei von Chiara Tahnee Lütje, die 2017 bei The Voice of Germany im Team Samu dabei war und die Sängerin der Hardrock-Combo Pay Pandora ist.

das Thema des „Brennens“ zieht sich als glühendroter Faden durch das ganze Album (siehe auch das Cover)


An dieser Stelle kommen wir zu meiner erwähnten Hassliebe: Ich mag den Song, ich mag die Message, ich mag Chiaras Stimme und das Fight Club Final Scene Bildnis (Hand in Hand steh‘n wir vor den Flammen…). Sobald Chiara und Vincent sich über die verzerrten Gitarren hinweg voller Inbrunst anschreien (die Stadt fackelt ab! / Brenn!), bin ich selbst Feuer und Flamme. Aber die Melodie des Refrains ist für mich zu sehr ins seichte Wasser gefahren. Dass die mit Abstand radiotauglichste Hook des ganzen Albums ausgerechnet im Duett mit der extrem talentierten Chiara daherkommt, wird mit Blick auf ihre gesangliche Reichweite beabsichtigt sein, vermiest mir aber ein stückweit das erfrischend rohe Gesamtarrangement.

So hatten andere Songs die Gelegenheit sich in den Vordergrund zu drängen. Schlechter Tag zum Beispiel weist ein brutal tightes Flaw/Chevelle ähnliches Distortion Riff auf und ich seh mich unvermittelt im feuchtschwülen Moshpit auf die Fresse kriegen. Wann sind die Jungs auf Tour? Später. Im Refrain wird es wieder punkiger, die Strophen überzeugen dank des prägnanten Bassgitarren-Schlagzeug-Floors und mitreißenden Textzeilen. Und höre ich da am Ende nicht wieder Chiara?

In Schau sie an mit Ex-Sänger Firat marschieren durch die Kopfhörer Soldaten im Vierviertel-Stiefeltakt, der sich übergangslos zu einem Rammstein-ähnlichen Groove entwickelt. Die Nummer behandelt blinden Gehorsam sowie Denunziantentum des „besorgten Bürgers“. Zumindest ist das meine Interpretation. Der Text ist eindeutig mehrdeutig. Am Ende dann wird die Band im wohl härtesten Part des Albums nochmal richtig sauer. Das schockt. Das schüttelt.

Auch die Nummern Systemirrelevant und der Hypochonder rocken vorwärts und überzeugen mit cleveren Texten. Wie die Titel vermuten lassen, geht es bei den Kielern zumeist gesellschafts- und kapitalismuskritisch zu. Das funktioniert in der Muttersprache zumeist authentischer.

Und dann ist da noch der eingangs erwähnte selftitled Song: Party on mit FTC. Im Intro hören wir nur einen donnernden Tomrhythmus, der ein wenig an den Anfang vom Schunder-Song der Ärzte erinnert. So oder so – immer mitten in die Fresse rein gibt es in beiden Songs:

Fazit:
In meiner jüngeren Vergangenheit kam mir zwar vermehrt deutschsprachiger Metalcore auf die Plattenteller, aber das Fin The Cheaf Potpourri war noch Neuland für meine Ohren. Der Wechsel hin zur deutschen Sprache geht jedenfalls absolut auf. Die fünf Küstenkinder haben mit Spaß war gestern ein bemerkenswertes Debüt-Menü gekocht. Hinzukommt, dass die Scheibe vom Gitarristen Malte über sein eigenes Homestudio Fördeton gemixt und gemastert wurde. Hut ab! Über Kopfhörer drückt die Platte so richtig.
Die elf Songs, meistens zwischen 3 ½ und 4 ½ Minuten lang, fließen musikalisch irgendwo zwischen Downset und Body Count – Crossover mit Punkvibes – und Wut. Dazu Frontmann Vincent, der genretreu rappt und schreit, als gäbe es kein morgen.

Aufgrund kleinerer Atempausen, die dem Schöpfungspeak Raum zum Wirken lassen, vergebe ich verdiente 7,5/10 Wellenbrechern. Spaß ist heute!

Stellt sich abschließend also nur die Frage, wann und wo Fin The Chaef auf Tour sind, denn dieses Album – und übrigens auch ihre neue Single Lottoleben – wollen dringend auf die Bühne:

29.10.2022 in Heide (Location: Plan B)
05.11.2022 in Kiel (Medusa)
12.11.2022 in Itzehoe (Haus der Jugend)

Festivals:
20.05.2022 – Punkrockfest mit Marathonmann und Dysfunction in Kiel (Roter Salon, die Pumpe)
14.-16.07.2022 – Blizarrrd Festival u.a. mit Jinjer, Emil Bills, Die Happy… in Bornhöved

Instagram: Fin The Chaef
Website: Fin The Chaef
youtube: Fin The Chaef
Streaming: Fin The Chaef

Schließen möchte ich mit dem sehr coolen, weil extrem sympathischen und selbstironischen Video zu Lachend in den Untergang – auch auf dem Album zu hören:

„Ich hab vor 20 Jahren mal die Landsknechttrommel im Spielmannszug gespielt!“ Herrlich! 🙂