Dödsrit – Mortal Coil (2021)

Von Felix

Alter Schwede! Was für ein Brett: Christoffer Öster, der bereits mit ebenfalls nennenswerten Solo-Projekten auf sich aufmerksam machte und auch unter dem Namen Dödsrit alleine schon zwei Platten veröffentlichte, hat für den dritten Tonträger Mortal Coil dieses mal allerdings eine richtige Band um sich geschart. Das führt hierbei zu noch mehr Energie und wirkt sich absolut positiv auf das Gesamtwerk aus.

Die Platte Mortal Coil ist aufgrund der 4 Tracks eher eine EP, aufgrund der Länge von insgesamt 36 Minuten und somit fast neun Minuten pro Song hat es aber fast schon Langspieler-Länge, so spreche ich folgend auch häufiger vom „Album“.

Ich wusste nicht, was mich erwartet, als ich das Album zum ersten mal hörte und war trotzdem von der ersten Sekunde an voll im Bann. Dödsrit spielen eine kraftvolle Mischung aus verschiedenen Stilen bzw. Stilelementen. Ich bin in Bezug auf Stile auch alles andere als Purist und würde jetzt mal frei formulieren, dass man bei Dödsrit eine Art Black-Metal-Punk mit vereinzelten progressiven oder Metalcore-Elementen serviert bekommt. So hauen sie einem teilweise wütend stampfende Staccato-Akkorde um die Ohren, schreien größtenteils finstere Vocals ins Mikro und gehen dann in melodiösere und zum Teil fast schon sphärische Instrumentalparts über, in denen die Gitarren die Story des Tracks angenehm unaufdringlich weitererzählen. Das alles absolut bemerkenswert abgestimmt. Ich kann mich hier wiederholen, denn was ich bei Iron Maidens Senjutsu anmerkte, trifft auch hier – bei allen musikalsichen Unterschieden – voll und ganz zu: Songlängen von mehr als fünf Minuten erfordern einfach noch konsequenter eine gute Komposition. Auch bei dieser Platte bewundere ich das Timing der Wechsel von lauten und schnellen Teilen zu ruhigeren und langsameren Passagen. Diese markanten Strukturen verleihen jedem einzelnen Titel einen ganz eigenen Charakter. Gleich der erste Track The Third Door ist ein hervorragendes Beispiel. Mehr als 11 Minuten und keine Langeweile. Alleine die ersten 30 Sekunden zeigen gleich mal sehr eindrücklich auf was sich der Hörer eigentlich einzustellen hat.

Kritisch bleibt anzumerken, dass bei aller Abwechslung innerhalb der Songs die 4 Stücke der Platte insgesamt alle sehr ähnlich angelegt sind. Klar ist auch, dass Dödsrit keine leichte Begleitmusik zum Abendessen mit den Eltern ist, man muss für diese Gangart natürlich auch in der richtigen Laune sein. Solltet ihr z.B. in einer gestressten Phase eine Axt im Walde für unsortierte Gedanken im Kopf brauchen, dann ist Dödsrits Album Mortal Coil absolut die richtige Wahl. Und natürlich für alle, die sich ohnehin für etwas finsteren, aber nicht albern aufgesetzten Metal begeistern können. Interessierte bekommen den Tonträger in verschiedenen Formaten über Wolves of Hades.

Außerdem ist diese Kritik insofern zu relativieren, dass ich eindringlich empfehle bis zum Ende dranzubleiben, da das letzte Lied Apathetic Tounges, geschrieben von dem Gitarristen und zweitem Sänger Georgios Maxouris, auch textlich nochmal ein etwas versöhnlicheres Licht in das ansonsten wirklich finstere Album bringt. In dem leider recht kurzen aber sympathischen Interview auf metal.de erfährt man einiges über die Intention, die vor allem aus der Ermutigung, sich bei Depressionen helfen zu lassen, besteht. Mal ganz davon abgesehen, dass es hier auch nochmal musikalisch die volle Bandbreite gibt.

Mich haben Dödsrit jedenfalls voll erwischt und so gebe ich dem Album fette 8 von 10 Wellenbrechern.

#dödsrit #mortalcoil #wolvesofhades

Iron Maiden – Senjutsu (2021)

von Felix

Früher als Teenager und junger Erwachsener, der noch zu Hause wohnte, hatte ich in unregelmäßigen Abständen einen ganz spontanen Anflug eines wohligen Gefühls des Glücks über das eigene zu Hause verspürt. Meistens war das der Fall, nachdem man einige Tage sein scheinbar selbstbewusstes, spätpubertäres Ich durch verschiedene Sozialexperimente trieb und sich ein paar Nächte in Kneipen, Clubs, auf Konzerten und Partys oder einfach nur mit Freunden irgendwo draußen herumtrieb. Wenn man dann anschließend wieder zu Hause saß mit einem Kaffee in der Hand und alles um einen herum war die bekannte, gemütliche und sichere Umgebung und man dachte, den ganzen Party-Scheiß eigentlich gar nicht zu brauchen, waren das immer sehr glückliche Momente.

Was hat das jetzt bitte alles mit der neuen Iron Maiden Platte zu tun?!

Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn ich eine Iron Maiden Platte höre, dann erlebe ich einen ganz ähnlichen Moment. Ich experimentiere mich musikalisch gerne durch fast alles, was ich finden kann. Ich gebe meinen Ohren alles zu probieren und kenne nahezu keine Genre-Grenzen. Iron Maiden aber holen mich zurück. Dabei ist Metal gar nicht mal mein musikalisches Zu Hause, aber immer wenn die Stimme Bruce Dickinsons und die singende Gitarre Dave Murrays oder insgesamt der doch recht unverkennbare Maiden-Sound ertönt, dann fühle ich mich irgendwie einfach entspannt und gut.

Und so ging es mir auch beim Hören des neuen Albums. Direkt mit dem ersten Stück – gleichzeitig dem Titelstück des Albums Senjutsu wusste ich, dass ich eine Platte höre, die mich nicht enttäuschen wird. Hier werden genau die klassischen Maiden Merkmale abgerufen: die in den Strophen manchmal kehligen, etwas gepressten Vocals, im Chorus dann mitsingbar und teils hymnenartig und in der Bridge dann das verlangsamte, aber unverkennbar intonierte Rufen Bruce Dickinsons. Herrlich.

Bands, die so lange im Geschäft sind wie Iron Maiden brauchen derlei Markenzeichen. Es ist allerdings immer auch eine Gratwanderung bei neuen Aufnahmen. Man möchte die eigenen Fans nicht langweilen, aber sich auch nicht zu weit weg entwickeln und durch zu viele Experimente und Änderungen treue Hörer vergraulen.

Ich persönlich finde, dass der Band dies auf dem neuen Tonträger durchaus gelungen ist, denn zu den eben beschriebenen immer wiederkehrenden klassischen (Erkennungs-)Merkmalen gesellt sich eine doch eher ungewöhnliche Songstruktur, die allerdings viel Platz benötigt. Diesen Platz nimmt sich Iron Maiden und das gefällt mir ausgesprochen gut. Die Songs erzählen Geschichten und diese können nicht alle in radiotauglichen dreieinhalb Minuten erzählt werden. Beim Hören hatte ich nie das Bedürfnis einen der längeren Tracks weiterzuskippen, weil ich das Gefühl hatte genug gehört zu haben, sondern – ganz im Gegenteil – ich konnte mich so gut in den einzelnen Passagen verlieren, dass ich häufiger nachschauen musste, zu welchem Lied der Teil jetzt eigentlich nochmal gehört. Gerade die längeren Stücke – und es sind alleine drei von zehn Titeln mit über zehn Minuten Länge – machen für mich den Reiz des neuen Albums aus, weil die Dramaturgie unglaublich gut getimt und abwechslungsreich ist.

Die drei längsten Songs und vier weitere stammen allesamt aus der Feder des Bassisten Steve Harris. Ich verneige mich vor diesen Kompositionen. Auch die teilweise minutenlangen Instrumentalphasen nehmen einen sofort mit in die Story des Tracks bzw. des Albums insgesamt.

Diese Kombination – Maiden-typischer Sound und durchaus anspruchsvolle Songlängen – hat für eine Rotation gesorgt, die für Iron Maiden Platten bei mir eher ungewöhnlich ist (mit Ausnahme vielleicht der A Real Live One, die habe ich damals auch rauf und runter gehört).

So bleibt Iron Maiden für mich eine Band, von der ich nie sage, dass ich ein richtiger Fan bin, die aber dennoch eine bemerkenswerte Konstante in meiner Musik-Biographie abgibt, die sich durch das neue Album Senjutsu eindrucksvoll zurückgemeldet hat und mir damit nachhaltig zu eingangs beschriebenen Glücksgefühlen verhilft. Ich möchte dies mit ebenfalls bemerkenswerten 9 von 10 Wellenbrechern bewerten.

Dropkick Murphys – Turn Up That Dial (2021)

Now Playing // 09.05.2021 (von Felix)

Ohne langes Nachdenken kann ich sagen, dass die Dropkick Murphys die Band sind, die ich am häufigsten aus Versehen live gesehen habe. Damit meine ich in erster Linie ihr unermüdliches Bespielen größerer Festivals, denn zumindest in den letzten bald 15 Jahren verging kaum ein Jahr ohne Auftritt in Deutschland. Und so begegnen einem die Jungs immer wieder, auch ohne dass man sich gezielt ein Ticket für eine ihrer Tour-Shows gekauft hätte. 2007 Habe ich sie erstmals auf dem Hurricane Festival gesehen, zuletzt 2019 bei Rock am Ring und auch beim aufgrund der Pandemie abgesagten Deichbrand für 2020 standen sie wieder im Line-Up und ich hoffe, dass sie dort auch 2022 weiter mit von der Partie sein werden, schließlich haben sie dann ja voraussichtlich die erste Möglichkeit, ihr neues Album auf den Festivalbühnen zu präsentieren – in diesem Jahr wird es in Europa zumindest nicht mehr klappen. In den Jahren von 2007 bis 2019 haben die Dropkick Murphys im Durchschnitt unglaubliche 120 Konzerte pro Jahr gespielt (genauer 118,9 ermittelt anhand der Zahlen von concertarchives.org → genau hier ). Eine bemerkenswerte Zahl.

Ich würde mich sehr freuen, die Dropkick Murphys live Teile ihres ganz frischen Albums Turn Up That Dial spielen zu hören und genau um dieses soll es hier ja eigentlich gehen.

Mit der diesjährigen Veröffentlichung bleiben sie in dem Vierjahres Rhythmus der letzten zwei Studioalben (2013 Signed and Sealed in Blood und 2017 11 Short Stories of Pain & Glory). Ich würde dieses Album zunächst gerne vom Gesamteindruck her bewerten, denn da schneidet es in meinen Augen sogar besser ab, als eben genannte Vorgänger. Es sind 11 gut ausgewählte neue Songs, die klar und unverkennbar nach Dropkick Murphys klingen, allerdings ganz und gar ohne dabei abgedroschen zu wirken. Das Album ist für mich ein sehr kurzweiliges Gesamtpaket. Der Grundtenor ist von Song 1 bis Song 10 fast durchgehend rockig mit hübscher irisch-amerikanischer Attitüde, deutlicher Sprache und Bier-positiver Atmosphäre. Der 11. Song (I Wish You Were Here), der auch vorab als Single veröffentlicht wurde, bildet dann als einzige 3/4-Takt-Schunkel-Ballade mit allerdings ernsten und gefühlvollem Text einen sehr würdigen Abschluss.

Von Song 1 hängt auf einer neuen Platte immer viel ab, deshalb wird dieser natürlich immer mit Bedacht ausgewählt. In diesem Fall ist es der Namensgeber und Titelsong Turn Up That Dial. Ich war mit diesem Opener direkt „in the mood“ und das obwohl ich zugeben muss, dass ich vor dem ersten Hören eher skeptisch war, da ich befürchtete, ein Album zu hören, das ich „irgendwie Okay“ finde, aber auch schnell wieder vergessen werde. Kurzum, diese Befürchtungen konnten damit direkt gekippt werden:

Nach den ersten Durchläufen der neuen Platte könnte ich dann nach dem ersten Lob die Kritik anbringen, dass eine klassische „Hymne“ – im Sinne eines überragenden Songs, bei dem man sofort weiß, das wird ein Live-Highlight – fehlt. Oder doch nicht? Potenzial sehe ich da schon bei einigen Songs, die sowohl musikalisch als auch textlich etwas in diese Richtung anbieten (Middle Finger, Smash Shit Up), aber das braucht vielleicht noch ein paar Hör-Durchläufe.

Worauf ich mich definitiv schon freue, ist auf irgendeinem Festival in einer schwitzenden, staubigen Menge zu Mick Jones nicked my Pudding meine Kreise zu ziehen. Der Song erschien bereits im Sommer 2020 als erste Single zum neuen Album.

I know the whole „Songs about former members of The Clash stealing deserts from fellow punks“ genre isn’t massive, but this is definitely a highlight of it. – Paul Holmes Kommentar zum Video auf Youtube

Ich fasse zusammen: Das neue Album der Dropkick Murphys erfreut mich gleich auf verschiedenen Ebenen. Es rockt 40 Minuten mit gutem Tempo, hat Texte, die man nur mit gutem sarkastisch bis zynischem Humor schreiben und mitsingen kann und wirkt auf mich einfach komplett und gut reduziert auf elf wirklich starke Aufnahmen.

Fazit: nicht innovativ aber mit hohem Spaßfaktor im klassischen Dropkick Murphys-Gewandt > 8 von 10 Wellenbrecher

Black Honey – Written and Directed (2021)

Now Playing // 30.04.21 (von Felix)

Kommen wir zu einer Platte, die sich an vielen Stellen hört wie der Soundtrack eines anspruchsvollen Independent-Films. Titel und Artwork der Platte unterstützen dieses Empfinden stark. Mir gefällt es, wenn Bands ihre Konzepte auch optisch so stark umsetzen, dass die Neugier beim Erhalt der Platte steigt und man direkt den Impuls verspürt, die Scheibe aufzulegen:

Allerdings verbirgt sich in derlei Aufmachung das Risiko, dass diese geweckten Erwartungen oder Assoziationen sich bei den ersten Tönen zerschlagen. Black Honey schafft es jedoch, diese nicht einfach nur zu bedienen, sondern verstärkt sie mit den ersten Takten der Platte sogar noch. Ich spreche nur für mich, aber ähnlich wie ein gutes Buch, das einen von Seite 1 an in seinen Bann zieht, konnte ich auch das zweite Album der britischen Indie-Rocker nicht einfach durchskippen oder abschalten. I Like The Way You Die ist hier ein würdiger Opener für insgesamt 10 Tracks, die jetzt musikalisch sicherlich keine neue Erfindung der Independent-Musik sind, aber doch so gut arrangiert und angeordnet, dass es für mich beim Hören einfach passt. Umami für die Ohren gewissermaßen.

Was meine Freude darüber sicherlich weiter anfachte, ist die Tatsache, dass ich zwar gerne mal Indie-Rock höre, ich aber in dem Genre in den letzten Jahren eine starke Verballadisierung festgestellt habe. Dabei habe ich nichts gegen gute Indie-Balladen, hatte aber das Gefühl, dass viele Bands beim Fischen nach den Reaktionen über den einen tief berührenden Emo-Song – möglichst gepusht durch eine markante Platzierung in irgendeiner Netflix-Serie – vergessen haben, andere Facetten zu bedienen und somit für mich in vielen Lagen und Situationen keine Hör-Option mehr darstellten. Diese sogenannten Sync-Deals (Musikplatzierung in Serien, TV-Shows und anderen Formaten) sind lukrativ und natürlich ist es völlig legitim diesem Interesse nachzugehen – Black Honey haben diesen Nerv mit ihrer Platte Written and Directed allerdings mit einer ganz anderen Stimmungslage getroffen und wissen das für sich, z.B. in ihren Videos zu nutzen. Das Video zu Beaches ist übrigens komplett zur Lockdown-Zeit im UK entstanden, transportiert aber auch unter diesen Einschränkungen sehr gut die Stimmung des Songs: Right down to the beach, where we can have fun…

Endlich wieder Indie-Rock, der auch mal rockt und zum Tanz einlädt und nicht nur zum betroffen Nachdenken. Diese Platte liefert im Kopfkino nicht nur Drama, sondern auch rauchende Helden und trinkende Antihelden, Road-Trips, raffinierte Bösewichte mit sympathischem Twist und vieles mehr. Eine Platte für alle, die gerne ins Kino gehen.

Kommen wir aber noch kurz zu der Band an sich: Black Honey existieren seit 2014 und haben 2018 ihr erstes Studioalbum (Black Honey) veröffentlicht. Kennengelernt und geründet während des Studiums in Brighton. Ich empfehle an dieser Stelle gerne Interviews mit der Band, oder Teilen der Band, da sie dabei äußerst kurzweilig Auskunft über ihre Songs, Videos, Auftritte und Pläne und alles Weitere erteilen und das auf eine sehr sympathische und humorvolle Weise. Die Sängerin und Gitarristin Izzy B. Phillips berichtete in Interviews, dass der musikalische Einfluss ganz von ihrer Laune oder ihrem Gefühl abhinge, und manchmal fühlt sie sich nach White Stripes und an anderen Tagen halt eher nach Lou Reed. Ich denke, dass es genau das ist, was mir an den 10 Songs des Albums so gefällt – eine gelungene, vielfältige Mischung, für die ich gut gelaunte 9 von 10 Wellenbrecher austeile.

Architects – For Those That Wish to Exist (2021)

Now playing // 12.03.21 von Felix:

Cover des am 26. Februar 2021 bei Epitaph Records erschienenen Albums

Ende Februar erschien das neue Album der britischen Band Architects. Das Album wurde seit Herbst Winter 2020 bereits durch einige Singles gebührend angekündigt. Wie im Podcast schon häufiger aufgefallen sein dürfte, bin ich persönlich kein Freund von Kategorisierungen, wenn es aber hilft, würde ich die Band im Metalcore verordnen – wer die Band kennt, könnte mir da aber vielleicht widersprechen, und wer sie nicht kennt, sollte sich ohnehin besser selber ein Bild davon machen.

Die Band hat sich mit dieser Platte Anfang März in meiner Mediathek schnell nach vorne gespielt, weil die Tracks einfach in vielerlei Hinsicht überzeugen: Da wären z.B. der Gesang von Sam Carter, die interessanten Songstrukturen und der kontrastreiche Sound. Die erste Batterie aus drei Songs Black Lungs / Giving Blood / Discourse is Dead plus Intro Do You Dream of Armageddon? ist ein äußerst gelungener, überwiegend lauter Einstieg, der dann von einer zweiten Welle eher Poprockiger Songs abgelöst wird, wobei auch hier – insbesondere bei Impermanence immer wieder Tempoverschärfungen und Breakdowns gesetzt wurden, die einen durchgehend bei Laune halten.

guter Opener, gutes Video, gute Botschaft: Black Lungs

Die zweite Hälfte der Platte brauchte bei mir etwas länger, um ihre Wirkung zu entfalten. Ich muss gestehen, dass ich hier beim Hören in der Tat phasenweise gedanklich abgedriftet bin. Das ist insofern als Kritik zu verstehen, dass der nach dem ersten Verlauf erwartete Spannungsbogen nicht so eintritt, sondern in diesem Teil der Platte eher flach verläuft. Dabei sind die Songs im Einzelnen überhaupt nicht schlecht, nur etwas ärmer an Höhepunkten und die haben die Architects in meinen Ohren immer dann, wenn sie musikalisch und gesanglich etwas härter zu Werke gehen und genau diese Parts nehmen in der zweiten Hälfte leider ab. Zum Abschluss kommt mit Dying is Absolutely Safe noch eine echte Ballade auf den Plan, die für sich auch starke Emotion transportiert. Ich denke aber, dass die Wirkung hier noch verstärkt würde, wenn davor eben nicht schon eine Handvoll etwas gemäßigterer Rock-Songs mit überwiegend cleanen Gesangsparts liefen.

Das klingt jetzt alles viel zu negativ, ich möchte deshalb etwas relativieren: Mir persönlich treten die Architects in der zweiten Hälfte zu stark auf die Bremse, aber ich kann gleichzeitig auch keinen Song des Albums benennen, den ich wirklich schwach finde, hier ist in meinen Augen die Dramaturgie nicht ganz gelungen. Wenn man im random / shuffle Modus hört, kommt teilweise eine bessere Reihenfolge zustande.

An anderer Stelle hat sich die Band offensichtlich gedanklich stärker mit der Wirkweise befasst, denn viele Songs werden durch Streicher-Arrangements begleitet. Ganz subjektiv sage ich, die hätte es an vielen Stellen überhaupt nicht benötigt. Ich halte diese Effekte hier gar nicht für störend, aber an vielen Stellen schlichtweg für unnötig.

Abschließend möchte ich in aller Kürze die Lyrics loben, insbesondere bei Black Lungs, Animals und meinem persönlichen Favoriten Discourse is Dead geht es um gesellschaftliche bzw. (gesellschafts-)politische Themen. Ich mag es, wenn Bands in der Lage sind zumindest grundsätzlich Stellung zu beziehen (Mehr zu dem Thema im Allgemeinen könnt ihr auch in unser neuen Podcast-Folge hören!).

Auf kerrang.com gibt es dazu einige interessante Song-by-Song Statements: Nachlesen empfohlen!

Fazit: Ein starkes neues Album der sympathischen Band, bei dem als Wermutstropfen das Gefühl hängen bleibt, dass es mit wenig Aufwand noch besser hätte sein können.

Höre ich gerne und gebe 8 von 10 Wellenbrechern!